Toleranz bei Sucht: Was der Begriff bedeutet

Toleranz bedeutet in der Suchtmedizin, dass man von einer Substanz deutlich mehr braucht, um die gewünschte Wirkung zu erreichen, oder dass dieselbe Menge spürbar schwächer wirkt. Sie entsteht, wenn sich der Körper an den regelmäßigen Konsum gewöhnt. Toleranz ist eines der Merkmale einer Abhängigkeit, allein reicht sie für die Diagnose nicht.

Toleranz bedeutet in der Suchtmedizin, dass man von einer Substanz deutlich mehr braucht, um einen Rausch oder die gewünschte Wirkung zu erreichen, oder dass dieselbe Menge bei fortgesetztem Konsum spürbar schwächer wirkt [2]. So beschreiben es die Kriterien der ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Beispiel Alkohol. Im Alltag heißt Toleranz sonst Duldsamkeit. In diesem Eintrag geht es nur um die Bedeutung beim Konsum von Alkohol, Nikotin oder anderen Substanzen.

Wie Toleranz entsteht

Wer über längere Zeit regelmäßig Alkohol trinkt, gewöhnt seinen Körper daran. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) beschreibt das als typisches Zeichen einer körperlichen Abhängigkeit: Man muss immer mehr trinken, um die ursprüngliche Wirkung zu spüren [3]. Der Stoffwechsel stellt sich nach dieser Beschreibung so weit auf den Alkohol ein, dass er ihn für sein normales Funktionieren braucht. Fällt der Alkohol weg oder wird weniger getrunken, kommt es zu Entzugserscheinungen wie Zittern, Schweißausbrüchen oder Magenkrämpfen [3]. Toleranz und Entzug hängen also eng zusammen: Beides zeigt, dass sich der Körper auf die Substanz eingestellt hat.

Toleranz als Merkmal einer Abhängigkeit

In der ICD-10-GM, nach der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland Diagnosen verschlüsseln, gehört die Toleranzerhöhung zu den typischen Merkmalen des Abhängigkeitssyndroms. Die anderen sind ein starker Wunsch nach der Substanz, Schwierigkeiten bei der Kontrolle des Konsums, Weiterkonsum trotz schädlicher Folgen, der Vorrang des Konsums vor anderen Aktivitäten und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom [1]. Das gilt für alle Substanzen der Kodes F10 bis F19, also zum Beispiel für Alkohol, Tabak und Cannabis [1].

Toleranz allein bedeutet noch keine Abhängigkeit. Für die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit müssen nach den ICD-10-Kriterien mindestens drei der Merkmale gemeinsam aufgetreten sein, und zwar einen Monat lang oder innerhalb von zwölf Monaten wiederholt [2]. Toleranz ist trotzdem ein wichtiges Warnzeichen, denn sie entsteht laut BIÖG durch langfristigen Konsum und zeigt eine körperliche Gewöhnung an [3].

Woran du Toleranz bei dir bemerken kannst

Achte darauf, ob du für dieselbe Wirkung heute mehr brauchst als früher oder ob die gewohnte Menge kaum noch etwas bewirkt. Genau das beschreiben die Kriterien der WHO und das BIÖG als Toleranz [2, 3]. Wenn du "viel verträgst", kann das auf eine Toleranz hinweisen. Sie ist eines der Merkmale, die Fachleute bei der Frage nach einer Abhängigkeit prüfen [1].

Wenn du solche Zeichen an dir bemerkst, sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer Suchtberatung. Hör bei regelmäßigem, hohem Alkoholkonsum nicht abrupt allein auf, weil ein Entzug ärztliche Begleitung braucht [3]. Wie dein Trinkverhalten insgesamt aussieht, kannst du mit dem Alkohol-Test einschätzen.

  1. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Block F10 bis F19: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde AUDIT: The Alcohol Use Disorders Identification Test. Guidelines for Use in Primary Health Care, 2. Auflage (Box 8: ICD-10 Criteria for the Alcohol Dependence Syndrome). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 18.11.2001. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Alkoholismus. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Kenn dein Limit. Stand ohne Datum. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

Passt dazu

  • Entzug

    Entzug bedeutet Beschwerden, wenn eine gewohnte Substanz wegfällt.

  • Craving

    Craving ist das starke, drängende Verlangen nach einem Suchtmittel.

  • Verhaltenssucht

    Eine Verhaltenssucht ist eine Sucht ohne Substanz, etwa nach Glücksspiel oder Computerspielen.

  • Ratgeber Therapieplatz finden

    Therapieplatz finden als gesetzlich Versicherte: Sprechstunde, Terminservicestelle 116 117, Ausbildungsinstitute und …