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Spielsucht: Anzeichen einer Glücksspielsucht und wo du Hilfe findest

Typische Anzeichen einer Spielsucht sind, dass du die Kontrolle über das Spielen verlierst, Verlusten hinterherjagst, Einsätze steigerst, andere belügst und trotz Schulden oder Streit weiterspielst. In Deutschland erfüllen 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen die Kriterien einer Glücksspielstörung. Kostenlose Hilfe gibt es bei der Telefonberatung des BIÖG unter 0800 1 37 27 00, außerdem kannst du dich über OASIS bei allen legalen Anbietern sperren lassen.

Die Anzeichen einer Spielsucht kommen meist schleichend. Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) kann sich zwanghaftes Spielen langsam entwickeln, etwa wenn jemand Gewinne unbedingt wiederholen will oder Verluste ausblendet [9]. Auf dieser Seite steht, woran Fachleute eine Glücksspielsucht erkennen, wie verbreitet sie in Deutschland ist, welche Spiele besonders riskant sind und wo Betroffene und Angehörige Hilfe finden. Eine erste Einschätzung deines eigenen Spielverhaltens gibt dir der Glücksspiel-Test.

Was eine Glücksspielsucht ist

Das Bundesgesundheitsministerium zählt die Störung durch Glücksspiele zu den Verhaltenssüchten. Gemeint ist wiederholtes, anhaltendes Spielen, das trotz schwerwiegender Folgen weitergeht [4]. Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation nennt drei Voraussetzungen für die Diagnose: eine eingeschränkte Kontrolle über das Spielen, einen immer höheren Stellenwert des Spielens, das Vorrang vor anderen Interessen und alltäglichen Aufgaben bekommt, und das Weiterspielen trotz negativer Folgen [3]. Was Verhaltenssüchte gemeinsam haben, erklärt das Glossar unter Verhaltenssucht.

Viele Studien in Deutschland arbeiten mit dem amerikanischen Diagnosemanual DSM-5. Danach liegt eine "Störung durch Glücksspielen" vor, wenn innerhalb von 12 Monaten mindestens vier von neun Kriterien erfüllt sind [2]. Bei vier bis fünf Kriterien gilt sie als leicht, bei sechs bis sieben als mittel und bei acht bis neun als schwer. Wer ein bis drei Kriterien erfüllt, zählt in den Bevölkerungsbefragungen als riskant Spielender [2].

Die Anzeichen im Überblick

Die neun Kriterien des DSM-5 beschreiben, woran sich eine Glücksspielsucht im Alltag zeigt [2]:

AnzeichenWas damit gemeint ist
Steigende EinsätzeEs braucht immer höhere Einsätze, um die gewünschte Spannung zu spüren [2].
Unruhe beim AufhörenBeim Versuch, weniger zu spielen oder aufzuhören, kommen Unruhe und Reizbarkeit [2].
Gescheiterte VersucheWiederholte Versuche, das Spielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben, misslingen [2].
Gedanken kreisen ums SpielVergangene Spiele werden gedanklich nacherlebt, die nächsten geplant, und es geht viel um die Frage, woher das Geld dafür kommt [2].
Spielen bei BelastungGespielt wird häufig in belastenden Gefühlslagen, etwa bei Hilflosigkeit, Schuldgefühlen, Angst oder gedrückter Stimmung [2].
Verlusten hinterherjagenNach einem Verlust wird bald wieder gespielt, um das Geld zurückzuholen [2].
LügenAndere werden belogen, damit sie nicht merken, wie sehr das Spielen das Leben bestimmt [2].
Gefährdete Beziehungen und ArbeitEine wichtige Beziehung, der Arbeitsplatz oder Chancen in Ausbildung und Beruf stehen wegen des Spielens auf dem Spiel oder sind verloren [2].
Geld von anderenAndere sollen mit Geld aus einer Notlage helfen, die das Spielen verursacht hat [2].

Ähnliche Warnsignale nennt das BIÖG auf seinem Portal check-dein-spiel.de, darunter Einsätze, die man sich eigentlich nicht leisten kann, Schuldgefühle nach hohen Verlusten und Kritik von anderen am vielen Spielen. Schon wenn einige dieser Punkte zutreffen, kann das ein Grund sein, sich Unterstützung zu holen [5].

Ein weiteres Zeichen sind Denkfehler rund ums Spiel. Der Glücksspiel-Survey 2025 hat erstmals erfasst, wie stark Spielende ihre Gewinnchancen überschätzen oder glauben, das Ergebnis beeinflussen oder vorhersagen zu können. Solche Verzerrungen nahmen mit der Schwere der Glücksspielprobleme deutlich zu [1].

Wie verbreitet Glücksspielsucht in Deutschland ist

Im Glücksspiel-Survey 2025 wurden zwischen August und November 2025 insgesamt 12.340 Menschen zwischen 16 und 70 Jahren befragt. 36,4 Prozent hatten in den vergangenen 12 Monaten mindestens einmal um Geld gespielt, am häufigsten LOTTO 6aus49 (18,3 Prozent) und den Eurojackpot (13,8 Prozent) [1]. Bei 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen war eine Störung durch Glücksspielen nach DSM-5 erkennbar: 0,9 Prozent leicht und je 0,6 Prozent mittel und schwer. Weitere 5,5 Prozent erfüllten ein bis drei Kriterien, bei ihnen ist ein riskantes Spielverhalten nicht auszuschließen [1]. Männer waren mit 3,2 Prozent häufiger betroffen als Frauen mit 1,1 Prozent [1]. Seit 2021 haben sich diese Werte kaum verändert (2,3 Prozent 2021, 2,4 Prozent 2023) [1].

Erstmals fragte der Survey auch nach Daytrading, also dem Kauf und Verkauf von Wertpapieren innerhalb eines Tages. 6,5 Prozent der Befragten hatten das in den letzten 12 Monaten gemacht. Unter denen, die mindestens monatlich so handelten, spielten 63,7 Prozent auch Glücksspiele, und 12,1 Prozent erfüllten die Kriterien einer Glücksspielstörung [1].

Welche Spiele besonders riskant sind

Das Risiko hängt stark vom Spiel ab. Den höchsten Anteil von Menschen mit einer Glücksspielstörung fand der Survey 2025 unter denen, die virtuelle Automatenspiele nutzen (32,5 Prozent), an Glücksspielautomaten (28,1 Prozent) oder Geldspielautomaten (23,4 Prozent) spielen oder Live-Sportwetten abschließen (27,0 Prozent) [1]. Das Bundesgesundheitsministerium nennt dieselben Spielformen als die riskantesten [4]. Die Forschenden empfehlen deshalb, den Schutz bei Automatenspielen, Live-Sportwetten und Poker eher streng zu gestalten [1].

Online spielt gut jede zehnte befragte Person ausschließlich (10,8 Prozent) [1]. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass Online-Glücksspiel fast überall und jederzeit verfügbar ist und dass Anbieter ohne Lizenz regelmäßig unregulierte Angebote machen [3]. Für Kinder und Jugendliche ist Glücksspiel in Deutschland verboten [1]. Zum Thema Computerspiele passt der Ratgeber Gaming-Sucht.

Welche Folgen Glücksspielsucht hat

Das Bundesgesundheitsministerium nennt als Folgen Verarmung, gestörte Beziehungen bis hin zur Isolation und die Zerrüttung persönlicher Verhältnisse [4]. Die Weltgesundheitsorganisation zählt finanziellen Stress, zerbrochene Beziehungen, Gewalt in der Familie, psychische Erkrankungen und Suizid zu den möglichen Schäden. Glücksspiel kann Armut verstärken, wenn Geld fehlt, das für das Nötigste gebraucht wird [3].

Mann in den Fünfzigern sortiert mit einer Schuldnerberaterin an einem Schreibtisch einen Stapel Briefumschläge
Bild: KI-generiert

Auch Angehörige tragen schwer. Im Glücksspiel-Survey 2023 berichteten Menschen, die selbst keine Glücksspielstörung hatten, aber jemanden im engen Umfeld mit Spielproblemen kennen, von Schlafproblemen (26,0 Prozent), verminderter Leistungsfähigkeit (21,9 Prozent), stressbedingten Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Bluthochdruck (15,0 Prozent) und verstärkten Depressionen (14,6 Prozent) [2]. Knapp ein Viertel berichtete von verspätet bezahlten Rechnungen [2].

Eine schwedische Registerstudie mit über 10.000 Menschen fand bei Menschen mit einer Glücksspielstörung eine erhöhte Sterblichkeit, darunter mehr Suizide als bei Vergleichspersonen. Als wichtige Gründe für die erhöhte Sterblichkeit sehen die Forschenden Begleiterkrankungen wie andere Suchterkrankungen und die soziale Lage [12]. Wenn du an Suizid denkst, sprich mit jemandem darüber. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym, unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Glücksspielsucht ist behandelbar, und auch hohe Schulden lassen sich mit Unterstützung ordnen.

Wo du Hilfe findest

Das BIÖG berät kostenfrei am Telefon unter 0800 1 37 27 00, Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr und Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Das Angebot richtet sich an Spielende, Angehörige und Interessierte und hilft auch, Beratungsstellen vor Ort zu finden [7]. Wer lieber schreibt, findet auf check-dein-spiel.de eine kostenlose und anonyme Online-Beratung und das Beratungsprogramm "Check Out" [9]. Alle weiteren Nummern stehen auf der Seite Hilfe finden.

Psychologische Behandlung wirkt. Eine Auswertung von 29 randomisierten Studien mit über 3.000 Teilnehmenden fand einen mittleren Effekt auf die Schwere der Glücksspielprobleme. Am stärksten waren die Effekte bei Behandlung von Angesicht zu Angesicht, und die beste Beleglage hat die kognitive Verhaltenstherapie [11]. Die Weltgesundheitsorganisation nennt eine längerfristige kognitive Verhaltenstherapie und die motivierende Gesprächsführung als die derzeit wirksamsten Ansätze [3].

Über das bundesweite Sperrsystem OASIS kannst du dich selbst vom Glücksspiel ausschließen lassen. Den Antrag stellst du beim Regierungspräsidium Darmstadt oder beim Anbieter. Die Sperre gilt bundesweit und bei allen legalen Angeboten im Internet, aufheben lässt sie sich frühestens nach drei Monaten [6]. Der Notfallknopf bei Online-Anbietern sperrt dich nur für 24 Stunden. Anbieter ohne deutsche Erlaubnis sind nicht an OASIS angeschlossen und bieten deshalb keinen verlässlichen Schutz [6].

Bei legalen Online-Anbietern gilt außerdem ein Einzahlungslimit, das du bei der Anmeldung festlegst. Es gilt für alle Anbieter zusammen und darf nach dem Glücksspielstaatsvertrag grundsätzlich 1.000 Euro im Monat nicht übersteigen. Zusätzlich kannst du jederzeit eigene Limits für Einsätze, Einzahlungen oder Verluste setzen [10]. Das BIÖG warnt, dass 1.000 Euro sehr hoch angesetzt sind und nicht als Orientierung dienen sollten [6].

Wenn Schulden da sind, hilft eine Schuldnerberatung. Seriöse Schuldnerberatung ist kostenlos, und die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät, sich möglichst früh an eine anerkannte Stelle zu wenden [13].

Was Angehörige tun können

Das BIÖG gibt Angehörigen klare Hinweise [8]. Leih der spielenden Person kein Geld und übernimm keine Schulden, Kredite oder offenen Rechnungen. Schütze deine eigenen Finanzen, zum Beispiel mit einem Konto, auf das sie keinen Zugriff hat. Sprich deine Sorgen ruhig, aber bestimmt an, ohne die Person mit Vorwürfen zu überhäufen, und weise auf Telefon- und Online-Beratung oder eine Suchtberatungsstelle hin. Die Verantwortung für das Spielen liegt bei der spielenden Person. Kündige nur Konsequenzen an, die du auch umsetzen willst [8].

Frau in den Sechzigern legt auf einer sonnigen Terrasse ihre Hand tröstend auf die Hand ihres erwachsenen Sohnes
Bild: KI-generiert

Hol dir auch selbst Unterstützung. Für Angehörige gibt es das Beratungsprogramm "Time Out" auf check-dein-spiel.de, außerdem helfen Schuldner- und Familienberatungsstellen und die Hausarztpraxis [8]. Wenn eine Glücksspielsucht oder Überschuldung vorliegt, können Angehörige eine Fremdsperre beantragen. Dafür braucht es Nachweise wie Kontoauszüge, und die betroffene Person wird angehört [6]. Wie du helfen kannst, ohne dich selbst zu verlieren, beschreibt der Ratgeber Co-Abhängigkeit.

  1. Studie Pressemitteilung und wichtige Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2025. Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) Hamburg und Universität Bremen, Arbeitseinheit Glücksspielforschung. Stand 11.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
  2. Studie Glücksspielverhalten und Glücksspielprobleme in Deutschland: Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2023. Buth S, Meyer G, Rosenkranz M, Kalke J; ISD Hamburg und Universität Bremen. Stand 03/2024. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Gambling (Fact sheet). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 02.12.2024. abgerufen am 28.10.2026
  4. Behörde Glücksspielsucht (Begriffe A bis Z). Bundesministerium für Gesundheit. Stand 20.07.2026. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde Wie erkenne ich eine Glücksspielsucht?. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), check-dein-spiel.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Sich sperren lassen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), check-dein-spiel.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Beratungstelefon zur Glücksspielsucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  8. Behörde Was können Angehörige tun?. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), check-dein-spiel.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  9. Behörde Check dein Spiel: Informieren, testen, Hilfe finden. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  10. Gesetz Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glücksspielwesens in Deutschland (Glücksspielstaatsvertrag 2021), § 6c Selbstlimitierung; Limitdatei für Glücksspiele im Internet. Bayern.Recht (gesetze-bayern.de). Stand Fassung vom 29.10.2020. abgerufen am 28.10.2026
  11. Studie Psychological intervention for gambling disorder: A systematic review and meta-analysis. Journal of Behavioral Addictions 12(3):613 bis 630. Eriksen JW, Fiskaali A, Zachariae R, Wellnitz KB, Oernboel E, Stenbro AW, Marcussen T, Petersen MW. Stand 07/2023. abgerufen am 28.10.2026
  12. Studie Suicide and Mortality in Individuals with Gambling Disorder and Matched Case controls: A Swedish Nationwide Register Study. Journal of Gambling Studies 41(3):1041 bis 1054. Karlsson A, Balem M, Hansson H, Håkansson A. Stand 09/2025. abgerufen am 28.10.2026
  13. Organisation Seriöse Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen. Verbraucherzentrale Niedersachsen e. V.. Stand 17.04.2025. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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