Ratgeber
Depression erkennen: Anzeichen, die länger als zwei Wochen bleiben
Die drei Hauptanzeichen einer Depression sind gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit mit Interessenverlust und Antriebsmangel mit schneller Erschöpfung. Dazu kommen Zusatzanzeichen wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle oder Hoffnungslosigkeit. Halten mehrere davon zwei Wochen oder länger an, solltest du das in deiner Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis abklären lassen.
Die Anzeichen einer Depression beginnen oft unauffällig: Du schläfst schlechter, hast an nichts mehr richtig Freude, und alles kostet mehr Kraft als sonst. Traurige Phasen gehören zum Leben und gehen normalerweise vorüber. Bei einer Depression dauern die traurigen Gefühle und negativen Gedanken an und überschatten Denken und Handeln [1]. Fachleute sprechen von einer Depression, wenn mehrere typische Anzeichen zwei Wochen oder länger bestehen [1, 2]. Diese Seite zeigt, welche Anzeichen das sind, woran du sie bei dir und bei anderen bemerken kannst und was du dann tun kannst.
Traurigkeit und Depression unterscheiden
Jeder Mensch ist ab und zu niedergeschlagen und lustlos. Oft gibt es einen Anlass, und die Stimmung bessert sich wieder, wenn sich die Lebenssituation ändert [1]. Eine Depression kann durch ein belastendes Ereignis ausgelöst werden, sie kann aber auch ohne erkennbaren Grund auftreten. Betroffene beschreiben das Gefühl, in einem tiefen Loch festzusitzen. Alltag, Arbeit oder Lernen fallen schwer, Freundschaften, Familie und Hobbys werden vernachlässigt [1]. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du einfach traurig bist, hilft dir der Ratgeber Traurig oder depressiv? beim Einordnen.
Zwei Merkmale sind für Fachleute besonders wichtig: die Dauer und das Ausmaß. Die Beschwerden einer Depression bleiben mindestens zwei Wochen bestehen und können mehrere Monate andauern [2]. Die gedrückte Stimmung ist für die Betroffenen ungewöhnlich stark, hält die meiste Zeit des Tages und fast jeden Tag an und hängt kaum von den Umständen ab [3].
Die drei Hauptanzeichen
Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten unterscheiden Haupt- und Nebensymptome. Die drei Hauptsymptome sind gedrückte, depressive Stimmung, Freudlosigkeit mit wenig Interesse an Dingen, die einem vorher wichtig waren, und Antriebsmangel mit schneller Ermüdung, oft schon nach kleinen Anstrengungen [1].

Gedrückte Stimmung kann sich als Niedergeschlagenheit und Verzweiflung zeigen, aber auch als Gefühllosigkeit: Gute wie schlechte Ereignisse lösen kaum noch etwas aus. Manche sind rasch gereizt oder fühlen sich ständig überfordert, oft zusammen mit Zukunftsangst. Typisch sind Schwankungen im Tagesverlauf, etwa ein ausgeprägtes Morgentief [3]. Der Interessenverlust betrifft Beruf und Haushalt ebenso wie Hobbys, die früher Freude gemacht haben. Beim Antriebsmangel werden schon einfache Dinge wie Haushalt oder Körperpflege anstrengend, und viele ziehen sich von anderen zurück [3].
Weitere Anzeichen, auf die Fachleute achten
Zu den Hauptsymptomen kommen Zusatzsymptome. Die Tabelle fasst sie nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression zusammen, zusammen mit Beispielen, woran man sie im Alltag merken kann.
| Anzeichen | Woran du es merken kannst | Beleg |
|---|---|---|
| Konzentration und Aufmerksamkeit lassen nach | Entscheidungen fallen schwer, Gedanken kreisen, Zeitunglesen, Fernsehen oder einem Gespräch zu folgen wird mühsam | [3] |
| Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sinken | du traust dir im Beruf, im Kontakt mit anderen oder im Haushalt weniger zu als sonst | [3] |
| Schuldgefühle | häufige Selbstvorwürfe, übertriebene Schuldgefühle für Dinge, die passieren | [3] |
| Unruhe oder Verlangsamung | innere Unruhe, nicht stillsitzen können; oder langsames, leises Sprechen, langsame Bewegungen, wenig Mimik | [3] |
| Hoffnungslosigkeit | die Zukunft wirkt schwärzer als sonst, auch die Aussicht, wieder gesund zu werden | [3] |
| Schlafstörungen | Durchschlafstörungen und frühes Erwachen, auch Einschlafprobleme; seltener viel mehr Schlaf als sonst | [3] |
| Appetit verändert sich | sich zum Essen zwingen müssen, ungewollt abnehmen; manchmal auch mehr Appetit | [3] |
| Gedanken an den Tod | der Wunsch, nicht mehr zu leben, oder Gedanken an Suizid | [2, 3] |
Wenn mehrere Haupt- und Nebensymptome zwei Wochen oder länger anhalten, wird eine Depression festgestellt [1]. Gedanken an den Tod gehören zu den Anzeichen und sind ein Grund, rasch mit jemandem zu sprechen, auch wenn die übrigen Beschwerden mild wirken.
Körperliche Anzeichen, die oft übersehen werden
Eine Depression zeigt sich nicht nur in der Stimmung. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt Müdigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme, sexuelle Lustlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung. Besonders bei älteren Menschen äußert sich eine Depression öfter durch körperliche Beschwerden wie unerklärliche Schmerzen [2].
Die Leitlinie beschreibt, dass Patientinnen und Patienten die typischen Kernsymptome selten von sich aus ansprechen. Häufiger berichten sie von Schlafstörungen mit frühem Erwachen, weniger Appetit, allgemeiner Kraftlosigkeit oder anhaltenden Schmerzen [3]. Als weitere Hinweise nennt sie unter anderem diffuse Kopfschmerzen, ein Druckgefühl in Hals und Brust, Schwindel, Muskelverspannungen und Gedächtnisstörungen. Wenn solche Beschwerden vorliegen, sollen Ärztinnen und Ärzte gezielt nach einer Depression fragen [3]. Ein Druck- und Engegefühl im Brustkorb kann auch auf einen Herzinfarkt hinweisen; bei Schmerzen im Brustbereich wähle immer 112 [7].
Wie Fachleute den Schweregrad einschätzen
In Deutschland wird die Diagnose derzeit nach der ICD-10 gestellt. Danach braucht es mindestens zwei der drei Hauptsymptome und insgesamt mindestens vier Symptome über mindestens zwei Wochen. Bei vier bis fünf Symptomen gilt eine Episode als leicht, bei sechs bis sieben als mittelgradig. Für eine schwere Episode müssen alle drei Hauptsymptome vorliegen und insgesamt mindestens acht Symptome [3].
Die neuere ICD-11 der WHO ordnet die Anzeichen etwas anders. Für eine depressive Episode müssen fast jeden Tag über mindestens zwei Wochen mindestens fünf Symptome bestehen, darunter gedrückte Stimmung oder Interessenverlust. Antriebsmangel zählt dort zu den Zusatzsymptomen, Hoffnungslosigkeit kommt neu hinzu. Den Schweregrad bestimmt die ICD-11 nicht über die Zahl der Symptome allein. Sie berücksichtigt auch, wie stark die Symptome sind und wie sehr sie Familie, Beruf und Alltag einschränken [3]. Die Leitlinie hält fest, dass die ICD-11 in Deutschland erst nach einer Übergangszeit von mehreren Jahren in Kraft tritt [3].
Wenn es keine Depression ist
Ähnliche Beschwerden haben manchmal andere Ursachen. Nach einem Verlust, einer Trennung oder einer schweren Diagnose kann eine depressive Anpassungsstörung entstehen. Für sie sprechen laut Leitlinie ein enger zeitlicher Bezug zu einem klar benennbaren Auslöser, ein Nachlassen meist innerhalb von sechs Monaten, Momente, in denen positive Ereignisse dich noch erreichen, und negative Gefühle, die eher in Wellen kommen [3]. Die Grenze zur Depression ist allerdings nicht scharf [3].
Auch körperliche Erkrankungen können zu einer Depression beitragen, zum Beispiel ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt, eine Krebserkrankung oder eine Schilddrüsenunterfunktion [1]. Deshalb gehören zur Diagnose Fragen nach anderen Erkrankungen und manchmal eine körperliche Untersuchung [1]. Bei einer bipolaren Störung wechseln depressive Phasen mit Phasen extremer Hochstimmung, in denen Betroffene sehr aktiv und reizbar sind und wenig schlafen [4]. Wenn du vor allem durch Arbeit erschöpft bist, erklärt der Ratgeber Burnout oder Depression?, wie sich beides unterscheidet.
Besondere Formen
Hält eine Depression länger als zwei Jahre an, sprechen Fachleute von einer chronischen Depression. Eine leichtere, aber ebenfalls lang anhaltende Verstimmung heißt Dysthymie [4]. Manche Menschen werden vor allem in den dunklen Herbst- und Wintermonaten depressiv, meist verschwindet diese saisonale Depression mit dem Frühling [4]. Nach einer Geburt kann sich aus dem häufigen "Babyblues" eine Wochenbettdepression entwickeln, deren Anzeichen sich kaum von einer Depression in anderen Lebensphasen unterscheiden. Bei der prämenstruellen dysphorischen Störung treten depressive Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen mit der Monatsblutung ab [4].
Anzeichen bei anderen erkennen
Angehörige bemerken die Veränderungen oft als Erste [1]. Hinweise können ein vernachlässigtes Äußeres, eine veränderte Mimik und Gestik, eine andere Art zu sprechen und verlangsamte Bewegungen sein [3]. Viele Betroffene sind so schwer erkrankt, dass ihnen die Kraft fehlt, sich selbst Hilfe zu suchen. Dann hilft es, Unterstützung anzubieten und zum Beispiel zum ersten Arzttermin mitzugehen [1, 2]. Das IQWiG rät, zuzuhören, Schuldgefühle nicht auszureden, mit Ratschlägen vorsichtig zu sein und Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid immer ernst zu nehmen [6]. Mehr dazu steht im Ratgeber Angehörige mit Depression unterstützen.
Was du tun kannst, wenn du Anzeichen bemerkst
Ein Fragebogen kann helfen, die eigenen Beschwerden zu ordnen. Der Depressions-Test mit dem PHQ-9 fragt die typischen Anzeichen der letzten zwei Wochen ab. Die Leitlinie nennt außerdem einen Zwei-Fragen-Test für den schnellen Verdacht: Er fragt, ob man sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen oder hoffnungslos gefühlt hat und ob man deutlich weniger Freude an Dingen hatte, die man sonst gern tut. Werden beide Fragen bejaht, findet der Test depressive Störungen mit einer Sensitivität von 96 Prozent; die Spezifität liegt bei 57 Prozent, er schlägt also auch bei vielen Menschen ohne Depression an [3]. Ein Testergebnis ersetzt keine Diagnose.

Für die meisten Menschen ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle bei seelischen Beschwerden. Du kannst dich aber auch direkt an eine psychotherapeutische oder psychiatrische Praxis wenden [1, 5]. In Notfällen, etwa bei akuter Suizidgefahr, stehen psychiatrisch-psychotherapeutische Praxen mit Notfalldienst und die Notfallambulanzen psychiatrischer Kliniken zur Verfügung [1]. Woran du eine akute Krise erkennst, beschreibt der Ratgeber Suizidgedanken: Warnzeichen erkennen und Hilfe holen.
Eine Depression lässt sich behandeln, vor allem mit Psychotherapie, Medikamenten oder beidem. Daneben gibt es Beratung, Selbsthilfegruppen, Online-Programme und Bewegungstherapie [1]. Etwa die Hälfte der Menschen, die wegen einer Depression behandelt werden, spürt nach ungefähr drei bis sechs Monaten eine deutliche Besserung [1].
- Behörde Depression. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Depression: Symptome, Ursachen, Therapie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 04.04.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. BÄK, KBV, AWMF (NVL-Programm). Stand 2022. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Formen der Depression. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Wer hilft bei Depressionen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Strategien für Angehörige und Freunde. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Herzinfarkt: Ursachen, Behandlung, Rehabilitation. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 28.08.2020. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
-
Ratgeber Traurigkeit oder Depression
Traurigkeit oder Depression? Woran du eine Verstimmung von einer Depression unterscheidest, was bei Trauer normal ist und …
-
Ratgeber Panikattacke
Panikattacke, was tun? Wie du in der Attacke ruhiger atmest, wann Brustschmerz ein Notfall ist und welche Behandlung hilft …