Ratgeber
Auffälliges Ergebnis im psychologischen Test: So geht es weiter
Ein auffälliges Ergebnis in einem psychologischen Test ist ein Hinweis, den eine Fachperson im Gespräch prüfen sollte. Erste Anlaufstelle ist für die meisten die Hausarztpraxis, ohne Überweisung geht es auch direkt in eine psychotherapeutische Sprechstunde, einen Termin vermittelt die 116117. Bei Gedanken, dir etwas anzutun, rufst du sofort die Telefonseelsorge oder in akuter Gefahr die 112 an.
Du hast einen psychologischen Test gemacht, und das Ergebnis ist auffällig. Vielleicht hast du damit gerechnet, vielleicht hat es dich überrascht. Ein solches Ergebnis ist ein Hinweis, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Diese Seite erklärt, wie du es einordnest, wo du Hilfe bekommst, wie du schnell einen Termin findest und wie du das erste Gespräch vorbereitest. Sie gilt für alle Selbsttests auf dieser Website, vom Depressions-Test bis zu den Checks auf unseren Themenseiten.
Was ein auffälliges Ergebnis bedeutet
Ein Fragebogen beruht allein auf deinen eigenen Angaben. Das Manual zur deutschen Fassung des bekannten Gesundheitsfragebogens PHQ verlangt deshalb, jedes Fragebogenergebnis im Gespräch zu überprüfen. Dabei wird auch geklärt, ob die Fragen richtig verstanden wurden. Für eine Diagnose müssen Fachleute außerdem andere Ursachen ausschließen, etwa eine einfache Trauerreaktion, körperliche Erkrankungen sowie Medikamente oder Drogen als Auslöser [1]. Zu den körperlichen Erkrankungen, die zu einer Depression beitragen können, zählt zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion [2].
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression beschreibt den Weg so: Bei Hinweisen auf depressive Symptome oder auffälligen Testwerten sollen die Haupt- und Zusatzsymptome vollständig erfasst und Fragen zu Verlauf und Dauer gestellt werden. Erst daraus ergibt sich die Diagnose [3]. Auch bei Früherkennungsuntersuchungen stellt sich ein großer Teil der auffälligen Befunde bei der genaueren Untersuchung als falscher Alarm heraus [4].
Auf dieser Website gibt es zwei Arten von Tests. Echte Fragebögen wie der PHQ-9 oder der GAD-7 sind in Studien geprüft, ihre Grenzwerte stammen von den Entwicklern. Unsere eigenen Checks sind nicht in Studien geprüft. Sie helfen dir, deine Lage zu sortieren, und sagen auf jeder Seite, wo ihre Grenzen liegen. Bei beiden Arten gilt: Das Ergebnis ist ein guter Anlass für ein Gespräch, eine Diagnose stellt erst die Fachperson.
Erster Schritt: die Hausarztpraxis
Für die meisten Menschen, die bei seelischen Problemen fachliche Beratung und Hilfe suchen, ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle [2]. Hausärzte kennen die gesundheitlichen und persönlichen Lebensumstände ihrer Patientinnen und Patienten meist gut und können einschätzen, ob Risikofaktoren für eine depressive Störung bestehen [3]. In der Praxis lässt sich auch klären, ob eine körperliche Ursache hinter den Beschwerden steckt, etwa die Schilddrüse oder ein Medikament [1, 2]. Wie ein solcher Termin abläuft und was du sagen kannst, beschreibt der Ratgeber Mit psychischen Problemen zum Hausarzt.
Wenn du vor einem Termin erst einmal mit jemandem sprechen möchtest, der sich auskennt, gibt es das Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter 0800 3344533. Dort bekommen Betroffene und Angehörige kostenfrei Auskunft über die Erkrankung, die Behandlung und Anlaufstellen in ihrer Nähe. Erreichbar ist es montags, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr sowie mittwochs und freitags von 8:30 bis 12:30 Uhr. Eine Beratung oder Behandlung in einer Praxis ersetzt der Anruf nicht [8].
Direkt zur psychotherapeutischen Sprechstunde
Du musst nicht über die Hausarztpraxis gehen. Für eine Psychotherapie brauchst du keine Überweisung [5]. Der erste Schritt führt in die psychotherapeutische Sprechstunde, auf die gesetzlich Versicherte einen Anspruch haben [5, 6]. Die Psychotherapie-Richtlinie beschreibt sie als zeitnahen, niedrigschwelligen Zugang zur ambulanten Psychotherapie. Dort wird geklärt, ob ein Verdacht auf eine krankheitswertige Störung besteht und ob weitere Hilfe nötig ist. Zur Sprechstunde gehören Beratung, Information, eine erste Diagnose und eine Empfehlung, wie es weitergehen soll. Wenn nötig, gibt es auch Hinweise auf andere Hilfen [6].

Jede Praxis mit vollem Kassensitz muss in der Regel mindestens 100 Minuten pro Woche für Sprechstunden freihalten. Ob sie dafür eine offene Sprechstunde anbietet oder feste Termine vergibt, entscheidet die Praxis selbst [6]. Frag also ruhig nach, wie es dort geregelt ist. Die Sprechstunde muss außerdem nicht bei derselben Psychotherapeutin stattfinden, die später die Behandlung übernimmt [6]. Du kannst sie also dort machen, wo du am schnellsten einen Termin bekommst, und für eine Therapie später eine andere Praxis suchen.
Erwachsene können die Sprechstunde bis zu sechsmal in Einheiten von mindestens 25 Minuten nutzen, insgesamt bis zu 150 Minuten. Eine vorherige körperliche Untersuchung ist dafür nicht vorgeschrieben [6]. Am Ende bekommst du eine schriftliche Rückmeldung mit dem Ergebnis und den Empfehlungen [6]. Auf diesem Formular, dem PTV 11, steht auch ein Vermittlungscode. Wenn darauf vermerkt ist, dass eine ambulante Psychotherapie zeitnah erforderlich ist, kannst du mit dem Code über die 116117 weitere Termine buchen [5]. Alles Weitere zum Ablauf steht im Ratgeber Psychotherapeutische Sprechstunde: Ablauf und Anspruch.
So bekommst du schnell einen Termin
Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen sind unter der 116117 erreichbar, telefonisch oder online über den eTerminservice [5]. Sie vermitteln auch Termine für ein Erstgespräch in der psychotherapeutischen Sprechstunde, dafür brauchst du keine Überweisung [7]. Nach dem Sozialgesetzbuch muss die Terminservicestelle innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, und die Wartezeit auf diesen Termin darf vier Wochen nicht überschreiten. Für eine psychotherapeutische Akutbehandlung gilt eine Grenze von zwei Wochen [7]. Klappt das bei den Praxen nicht, muss die 116117 einen Termin in einem Krankenhaus oder einer Klinikambulanz anbieten [5].
| Weg | Wofür er da ist | Was du wissen solltest | Beleg |
|---|---|---|---|
| Hausarztpraxis | Erste Anlaufstelle für die meisten Menschen, körperliche Ursachen klären | Kennt oft deine Lebensumstände | [2, 3] |
| Psychotherapeutische Sprechstunde | Abklärung, erste Diagnose, Empfehlung | Keine Überweisung nötig, Erwachsene bis zu 150 Minuten | [5, 6] |
| Terminservicestelle 116117 | Vermittlung von Sprechstunde und weiteren Terminen | Termin innerhalb einer Woche, Wartezeit höchstens vier Wochen | [5, 7] |
| Psychotherapeutische Akutbehandlung | Rasche Entlastung in akuten Krisen | Bis zu 24 Einheiten von 25 Minuten, ohne Antrag bei der Kasse | [5, 6] |
| Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 | Ärztliche Hilfe außerhalb der Sprechzeiten | Täglich rund um die Uhr, kostenlos mit deutschem Telefonvertrag | [9] |
| Notruf 112, psychiatrische Notfallambulanz | Akute Gefahr, zum Beispiel bei Suizidgedanken | Sofort, ohne Termin | [2, 9] |
Wenn die Beschwerden dich stark belasten, kann nach der Sprechstunde eine psychotherapeutische Akutbehandlung folgen. Sie soll akute Beschwerden rasch lindern und verhindern, dass sie sich festsetzen. Sie umfasst bis zu 24 Einheiten von mindestens 25 Minuten [6]. Einen Antrag bei der Krankenkasse brauchst du dafür nicht [5]. Für eine längere Therapie folgen zuerst zwei bis vier Probesitzungen, die probatorischen Sitzungen [6].
Das erste Gespräch vorbereiten
Nimm dein Testergebnis mit, als Ausdruck, Bildschirmfoto oder aufgeschrieben. Da die Tests auf dieser Website nichts speichern, ist es nach dem Schließen der Seite weg. Ein Ergebnis aus einem verbreiteten Fragebogen wie dem PHQ-9 können Fachleute gut einordnen, weil er in Praxen breit im Einsatz ist [3]. Schreib auch den Namen des Tests dazu.

Die Fachperson wird nach deinen Beschwerden, ihrem Verlauf und ihrer Dauer fragen [3]. Es hilft, dir vorher ein paar Stichworte zu notieren: Seit wann geht es dir so? Was hat sich verändert, etwa beim Schlaf, beim Appetit oder bei der Arbeit? Gab es belastende Ereignisse? Hattest du früher schon einmal eine ähnliche Phase? Frühere depressive Episoden und aktuelle belastende Lebensereignisse gehören zu den Risikofaktoren, die die Leitlinie nennt [3]. Notiere auch, welche Medikamente du nimmst, weil sie als Ursache ausgeschlossen werden müssen [1].
Sag offen, wenn du Gedanken an den Tod hast. Die Leitlinie hält fest, dass das Ansprechen von Suizidgedanken diese nicht auslöst, und empfiehlt Fachleuten, danach zu fragen [3]. Was Warnzeichen sind und wie du für dich oder andere Hilfe holst, steht im Ratgeber Suizidgedanken: Warnzeichen erkennen und Hilfe holen.
Wenn dein Ergebnis unauffällig war
Auch ein niedriger Wert schließt nicht aus, dass es dir schlecht geht. Fragebögen übersehen einen Teil der Betroffenen, und sie erfassen nur, wonach sie fragen [4]. Die Leitlinie empfiehlt, bei Beschwerden, die auf eine depressive Störung hinweisen, aktiv nachzufragen, ob eine Depression vorliegt [3]. Wenn du dich über Wochen niedergeschlagen fühlst, kaum noch Freude hast oder dein Alltag spürbar leidet, ist ein Gespräch in der Praxis deshalb sinnvoll, unabhängig vom Testergebnis. Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel sind die drei Hauptsymptome einer Depression [2].
Manchmal zeigt ein Test eher Erschöpfung durch die Arbeit als gedrückte Stimmung. Dann kann der Burnout-Test auf unserer Stress-Seite eine Ergänzung sein. Auch dessen Ergebnis bespricht man am besten in der Hausarztpraxis.
Was nach der Abklärung kommen kann
Je nach Schweregrad und Phase kommen bei einer Depression verschiedene Hilfen infrage, einzeln oder kombiniert: Hilfe zur Selbsthilfe mit Informationen und Gesprächen, Psychotherapie, Medikamente sowie unterstützende Maßnahmen wie Sport- und Bewegungstherapie [3]. Bei leichten depressiven Episoden empfiehlt die Leitlinie zunächst niedrigschwellige Angebote [3]. Etwa die Hälfte der Menschen, die wegen einer Depression behandelt werden, spürt nach drei bis sechs Monaten eine deutliche Besserung [2].
Es kann auch sein, dass die Fachperson keine behandlungsbedürftige Erkrankung feststellt. Ist keine Psychotherapie nötig, informiert die Praxis bei Bedarf über andere Möglichkeiten [6]. Wenn die Beschwerden später zurückkommen oder stärker werden, kannst du jederzeit wieder einen Termin machen.
- Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D): Manual Komplettversion und Kurzform, 2. Auflage (Löwe, Spitzer, Zipfel, Herzog), Abschnitt 4 Auswertung. Universitätsklinikum Heidelberg, © 2002 Pfizer. Stand 2002. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Depression. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2, Kapitel 2 und 3. BÄK, KBV, AWMF (NVL-Programm). Stand 2022. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Vor- und Nachteile von Früherkennungsuntersuchungen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.04.2022. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde 116117: Psychotherapie. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Durchführung der Psychotherapie (Psychotherapie-Richtlinie), §§ 11, 12, 13, zuletzt geändert am 19.03.2026, in Kraft seit 17.06.2026. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 19.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), § 75 Absatz 1a (Terminservicestellen). Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Info-Telefon Depression. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde 116117: Der Patientenservice (ärztlicher Bereitschaftsdienst). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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