Ratgeber
Alkohol: Wie viel ist zu viel?
Eine sichere Menge Alkohol gibt es nach heutigem Wissen nicht. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen rät seit Oktober 2023: am besten gar keinen Alkohol, und wer trinkt, so wenig wie möglich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stuft seit 2024 weniger als 27 Gramm Alkohol pro Woche, also ein bis zwei Getränke, als risikoarm ein, mehr als 81 Gramm als riskant.
Wie viel Alkohol ist zu viel? Lange lautete die Antwort in Deutschland: höchstens ein Glas am Tag für Frauen und zwei für Männer [7]. Diese Faustregel gilt nicht mehr. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) rät seit Oktober 2023, am besten keinen Alkohol zu trinken, und wer trinkt, sollte so wenig wie möglich trinken [2, 3]. Grenzwerte nennt sie nicht mehr [1]. Diese Seite erklärt, wie es dazu kam, wie du Getränke in Gramm umrechnest, welche Mengen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) heute einstuft und welche Grenzen im Straßenverkehr gelten. Wie riskant dein eigenes Trinkverhalten ist, kannst du mit dem Alkohol-Test einschätzen.
Was ein Standardglas ist
Fachleute rechnen Alkohol in Gramm. Ein Standardglas enthält 10 bis 12 Gramm reinen Alkohol. Die Menge in Gramm berechnest du so: Menge in Millilitern mal Volumenprozent geteilt durch 100 mal 0,8. Die 0,8 steht für die Dichte von Alkohol [6]. Ein halber Liter Bier mit 5 Prozent enthält also 20 Gramm, etwa zwei Standardgläser.

| Getränk | Menge | Alkoholgehalt | Reiner Alkohol | Beleg |
|---|---|---|---|---|
| Bier | 300 ml | 5 Vol.-% | 12 g | [6] |
| Wein | 125 ml | 12 Vol.-% | 12 g | [6] |
| Sekt | 100 ml | 12 Vol.-% | 9,6 g | [6] |
| Schnaps | 40 ml | 38 Vol.-% | 12,2 g | [6] |
Im Alltag sind die Gläser oft größer. Ein Viertel Wein entspricht zwei Standardgläsern, ein Maß Bier auf dem Volksfest mehr als drei. Wer Mengen schätzt, liegt leicht daneben. Die DHS nennt genau diese Ungenauigkeit beim Zählen und Umrechnen als einen Grund, warum sie keine Grenzwerte mehr veröffentlicht [3].
Die alten Grenzwerte
Bis 2023 galt in Deutschland der Begriff "risikoarmer Konsum". Das wissenschaftliche Kuratorium der DHS hatte 2008 für gesunde Menschen ohne besondere Risiken höchstens 24 Gramm reinen Alkohol pro Trinktag für Männer und 12 Gramm für Frauen genannt [2]. Eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums aus dem Jahr 2000 kam auf ähnliche Werte: im Durchschnitt ein Standardglas pro Tag für gesunde erwachsene Frauen und zwei für Männer. Als riskant galt höherer Konsum und Rauschtrinken mit fünf Standardgläsern oder mehr bei einer Gelegenheit [7]. Die DHS nennt diese Empfehlungen veraltet, und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) gibt auf seinem Portal keine Grenzwerte und keinen risikoarmen Konsum mehr an [1, 7]. Manche ältere Broschüren enthalten sie noch, worauf die DHS selbst hinweist [1].
Warum es keine sichere Menge mehr gibt
Zwei Entwicklungen in der Forschung haben das Bild verändert. Die erste betrifft die Frage, ob ein Glas Wein am Tag gesund sein könnte. Ältere Studien fanden bei Menschen ohne Alkohol ein höheres Sterberisiko als bei Menschen, die wenig tranken. Der Fehler lag in der Vergleichsgruppe. In einer deutschen Bevölkerungsstudie über zwanzig Jahre waren 90,6 Prozent der Menschen, die in den letzten 12 Monaten keinen Alkohol getrunken hatten, frühere Trinkerinnen und Trinker, und 72 Prozent hatten mindestens einen Risikofaktor wie eine frühere Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Wer lebenslang abstinent war, starb nicht häufiger als Menschen mit geringem oder moderatem Konsum [2]. Um die gesundheitliche Wirkung des Weinstoffs Resveratrol zu erreichen, müsste ein Mensch mehrere Liter Wein am Tag trinken [2].
Die zweite Entwicklung betrifft die Krankheiten selbst. Eine Arbeitsgruppe hat Daten aus 592 Studien zu alkoholbedingten Todesursachen ausgewertet und dabei auf die Qualität der Studien geachtet. Das Sterberisiko war bei Menschen ohne Alkohol am geringsten und stieg mit jeder Menge, auch bei geringem Konsum [2, 3]. Für Bluthochdruck und für Brustkrebs bei Frauen sind solche gleichmäßig steigenden Beziehungen ebenfalls beschrieben [2]. Ob dein Blutdruck schon erhöht ist, kannst du mit dem Rechner Blutdruck einordnen prüfen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt zum selben Ergebnis. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Alkohol in die höchste Risikogruppe ein, zusammen mit Tabak und Asbest. Alkohol verursacht mindestens sieben Krebsarten, darunter Darmkrebs und Brustkrebs bei Frauen. Etwa die Hälfte der alkoholbedingten Krebsfälle in der Europäischen Region betrifft Menschen, deren Trinken nicht als starker Konsum gilt. Eine Schwelle, unter der Alkohol kein Krebsrisiko birgt, ließ sich nicht nachweisen [4]. In Deutschland gehen nach Angaben des BIÖG etwa 22.000 Krebsneuerkrankungen im Jahr 2020 auf Alkohol zurück [8].
Was die DHS und die DGE heute empfehlen
Seit Oktober 2023 lautet die Kernaussage der DHS: Am besten für die Gesundheit ist es, keinen Alkohol zu trinken. Wer sich dafür entscheidet, sollte so wenig wie möglich trinken, unabhängig davon, wie viel es bisher ist [2, 3]. Feste Grenzwerte veröffentlicht die DHS bewusst nicht. Sie würden eine "sichere" Menge vortäuschen, als Empfehlung missverstanden und setzen voraus, dass man Gläser genau zählt. Außerdem hängt das Risiko von Alter, Geschlecht, Genen und Gesundheitszustand ab [3].
Die DGE hat 2024 ein Positionspapier veröffentlicht, das ihren bisherigen Referenzwert ersetzt. Auch sie empfiehlt, auf alkoholische Getränke zu verzichten, weil es keine risikofreie Menge gibt [5]. Für gesunde Erwachsene, die trotzdem trinken, ordnet sie die Wochenmenge in Risikostufen ein. Die Werte beruhen auf Berechnungen des kanadischen Canadian Centre on Substance Use and Addiction aus dem Jahr 2023 [5].
| Stufe nach DGE | Reiner Alkohol pro Woche | Beleg |
|---|---|---|
| Risikofrei | 0 g | [5] |
| Risikoarm | unter 27 g, etwa 1 bis 2 Getränke | [5] |
| Moderates Risiko | 27 bis 81 g | [5] |
| Riskant | über 81 g | [5] |
Zum Vergleich: Die alte Obergrenze von 24 Gramm für Männer galt pro Trinktag. Wer sie an fünf Tagen ausschöpfte, kam auf 120 Gramm in der Woche und läge damit nach der DGE deutlich im riskanten Bereich. Die neuen Mengen liegen laut DGE vor allem für Männer klar unter den früheren Richtwerten [5].
Rauschtrinken: viel auf einmal
Neben der Wochenmenge zählt, wie viel du bei einer Gelegenheit trinkst. Die DHS spricht von Rauschkonsum, wenn Männer fünf oder mehr Getränke trinken und Frauen vier oder mehr. Er sollte grundsätzlich vermieden werden, weil er das Risiko für Vergiftungen, Stürze und Unfälle erhöht [3]. Im Epidemiologischen Suchtsurvey 2024 gaben 18,2 Prozent der 18- bis 64-Jährigen an, im letzten Monat mindestens einmal bis zum Rausch getrunken zu haben, Männer mit 25,6 Prozent deutlich öfter als Frauen mit 10,7 Prozent. Bei den 18- bis 25-jährigen Männern waren es laut BIÖG-Befragung 2025 sogar 45,8 Prozent [8].
Wer gar keinen Alkohol trinken sollte
Für einige Menschen ist jede Menge zu viel. Laut DHS sollten diese Gruppen ganz auf Alkohol verzichten [1, 3]:
- Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist
- Schwangere, Stillende sowie Frauen und Männer mit Kinderwunsch
- Menschen mit Erkrankungen der Leber, des Herz-Kreislauf-Systems oder anderer innerer Organe und Menschen mit neurologischen oder psychischen Erkrankungen
- Menschen, die Schmerzmittel oder Medikamente mit Wirkung auf die Psyche nehmen oder nicht wissen, ob ihr Medikament mit Alkohol verträglich ist
- Kinder alkoholabhängiger Eltern und Menschen mit einer Suchterkrankung
Älteren Menschen rät die DHS ebenfalls, keinen Alkohol zu trinken, besonders wenn sie Medikamente nehmen oder körperlich eingeschränkt sind. Am Arbeitsplatz, an Maschinen und im Straßenverkehr sollte niemand unter Alkoholeinfluss stehen [3]. Auch Getränke mit der Aufschrift "alkoholfrei" dürfen bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten [3].
Alkohol am Steuer
Im Straßenverkehr gelten feste Grenzen. Wer mit 0,5 Promille oder mehr Alkohol im Blut ein Kraftfahrzeug führt, begeht eine Ordnungswidrigkeit [10]. Schon ab 0,3 Promille kann die Fahrt strafrechtlich geahndet werden [6]. In der Probezeit und vor dem 21. Geburtstag darf, wer ein Kraftfahrzeug führt, gar keinen Alkohol zu sich nehmen und nicht unter Alkoholwirkung fahren [11].

Die Leber baut bei gesunden, normalgewichtigen Erwachsenen etwa 0,1 bis 0,15 Promille pro Stunde ab. Für 1 Promille braucht sie also rund 10 Stunden. Kaffee, eine kalte Dusche, Bewegung oder Schlaf beschleunigen das nicht [6]. Wer abends viel getrunken hat, kann deshalb am nächsten Morgen noch über der Grenze liegen. Bei 1 Promille ist das Unfallrisiko etwa zehnmal so hoch wie nüchtern [6].
Wenn aus zu viel eine Abhängigkeit wird
Nach Angaben des BIÖG waren 2024 etwa 2,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren alkoholabhängig, weitere 1,7 Millionen betrieben Missbrauch. Rund 44.000 Todesfälle im Jahr werden in Deutschland auf Alkohol zurückgeführt [8]. Weniger zu trinken bringt nach der DHS körperliche und psychische Vorteile, etwa eine gesündere Leber, weniger Infektionen, ein geringeres Krebs- und Unfallrisiko, weniger Konflikte, ein besseres Herz-Kreislauf-System, besseren Schlaf und weniger psychische Erkrankungen [3]. Konkrete Schritte dafür beschreibt der Ratgeber Weniger Alkohol trinken.
Wer lange regelmäßig viel getrunken hat, sollte nicht von heute auf morgen allein aufhören. Die Entzugserscheinungen können lebensbedrohlich sein, vor allem durch Krampfanfälle und ein Delir. Ein ärztlich begleiteter Entzug dauert ambulant etwa zwei Wochen, bei sehr starker Abhängigkeit ist er auch stationär möglich [9]. Wenn du anonym anfangen willst, erreichst du die Sucht & Drogen Hotline täglich von 8 bis 24 Uhr unter 01806 313031, ein Anruf kostet 0,20 Euro. Weitere Anlaufstellen stehen auf der Seite Hilfe finden. Wer neben Alkohol auch kifft, kann den Konsum mit dem Cannabis-Test einordnen.
- Fachgesellschaft Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol (Wissenschaftliches Kuratorium der DHS). Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). Stand 10/2023. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Ergebnisse der Arbeitsgruppe "Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol". Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). Stand 03.02.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge. Weltgesundheitsorganisation (WHO), Regionalbüro für Europa. Stand 04.01.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Am besten null Promille (Pressemeldung zum DGE-Positionspapier "Alkohol", Ernährungs Umschau 71(10), 2024). Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Stand 2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde FAQ zum Thema Alkohol. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Kenn dein Limit. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Mythos "Risikoarmer Alkoholkonsum": Alkohol schadet immer der Gesundheit. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Kenn dein Limit. Stand 15.09.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Alkoholkonsum in Deutschland: Zahlen und Fakten. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Kenn dein Limit. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Alkoholentzug. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Kenn dein Limit. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 24a 0,5-Promille-Grenze. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 24c Alkohol- und Cannabisverbot für Fahranfänger und Fahranfängerinnen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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