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Wartezeit auf eine Psychotherapie überbrücken: Was in der Zwischenzeit hilft

Während der Wartezeit auf eine Psychotherapie solltest du ärztlich begleitet sein, meist durch deine Hausarztpraxis. Je nach Lage helfen eine psychotherapeutische Akutbehandlung, eine App auf Rezept, Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen sowie Tagesstruktur und Bewegung. Bei Suizidgedanken wartest du nicht: Wende dich an eine psychiatrische Klinik, die Telefonseelsorge oder den Notruf 112.

Die Wartezeit auf eine Psychotherapie kann lang sein. In einer Befragung der Bundespsychotherapeutenkammer von 2017 warteten Patientinnen und Patienten im Schnitt fast 20 Wochen auf den Beginn einer Richtlinientherapie, in manchen Regionen deutlich länger [11]. Diese Zeit musst du nicht ohne Hilfe verbringen. Es gibt Angebote, die schnell verfügbar sind, und Dinge, die du selbst tun kannst. Diese Seite ordnet sie und sagt auch, wann Warten keine Option ist.

Weiter suchen und auf Wartelisten bleiben

Der wichtigste Schritt ist, die Suche nicht aufzugeben. Wenn eine Praxis nach der Sprechstunde keinen Platz frei hat oder du dich in den Probesitzungen nicht wohlfühlst, suchst du weiter, selbst oder über die Terminservicestelle unter 116 117. Dafür brauchst du die schriftliche Rückmeldung aus dem Erstgespräch, in der eine zeitnah erforderliche Psychotherapie empfohlen wird [1]. Ausbildungsinstitute für angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben manchmal kürzere Wartelisten [1]. Welche Wege es gibt, bis hin zur Kostenerstattung für eine Privatpraxis, beschreibt der Ratgeber Therapieplatz finden.

Die psychotherapeutische Akutbehandlung

Wenn es dir akut schlecht geht, ist die psychotherapeutische Akutbehandlung gedacht. Sie schließt an die Sprechstunde an und soll dich von akuten Beschwerden entlasten, damit sie sich nicht festsetzen. Sie dient der Besserung akuter Krisen und kann dich so stabilisieren, dass du für eine reguläre Therapie bereit bist oder dass dir andere Hilfen empfohlen werden können, etwa eine psychiatrische Behandlung oder ein Klinikaufenthalt [6]. Möglich sind bis zu 24 Einheiten zu mindestens 25 Minuten, zusammen bis zu 600 Minuten [6]. Einen Antrag bei der Kasse brauchst du dafür nicht [10]. Vermittelt die Terminservicestelle eine Akutbehandlung, darf die Wartezeit darauf zwei Wochen nicht überschreiten [7].

Damit die Terminservicestelle dir eine Akutbehandlung vermitteln kann, muss sie auf dem Formular aus der Sprechstunde als "zeitnah erforderlich" vermerkt sein [10]. Sag in der Sprechstunde deshalb offen, wie es dir geht und was du im Alltag nicht mehr schaffst.

Ärztliche Begleitung durch die Hausarztpraxis

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hält es für wichtig, dass du während der Wartezeit auf einen Therapieplatz oder einen Facharzttermin ärztlich begleitet wirst, in der Regel durch deine Hausärztin oder deinen Hausarzt. Die Praxis kann in regelmäßigen Abständen kurze Gespräche führen, bei Bedarf eine Behandlung mit Antidepressiva beginnen oder ergänzende digitale Behandlungsprogramme verschreiben [1]. Außerdem kann sie körperliche Ursachen abklären, etwa eine Schilddrüsenerkrankung [1]. Wie du das Gespräch in der Praxis angehst, steht im Ratgeber Mit psychischen Problemen zum Hausarzt.

Regelmäßige Termine haben einen weiteren Nutzen: Jemand behält im Blick, ob sich dein Zustand verschlechtert. Wenn du einen Selbsttest wie den Depressions-Test in Abständen wiederholst und das Ergebnis mitbringst, gibt das dem Gespräch einen festen Bezugspunkt. Eine ärztliche Einschätzung ersetzt er nicht.

Apps auf Rezept und Online-Programme

Digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, sind Apps und Programme, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in ein eigenes Verzeichnis aufgenommen hat. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt sie, wenn eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut sie verordnet oder wenn die Krankenkasse sie genehmigt [8]. Laut Depressionshilfe müssen DiGA ihre Wirksamkeit in Studien belegt haben und strenge Datenschutzvorgaben erfüllen. Bei Depressionen arbeiten sie zum Beispiel mit Übungen zur Stimmung, zur Struktur im Alltag oder zum Umgang mit negativen Gedanken. Die Stiftung hält sie bei leichten bis mittelschweren depressiven Beschwerden für geeignet, wenn du selbst aktiv werden möchtest. Sie können die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder eine laufende Behandlung ergänzen [2]. Auch vor der Nutzung einer App sollten die Beschwerden ärztlich abgeklärt sein [2].

Ein kostenfreies Angebot ist das iFightDepression-Tool der Depressionshilfe. In sechs Workshops lernst du Techniken für den Umgang mit einer Depression. Es richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren mit leichten depressiven Beschwerden. Für die Teilnahme brauchst du eine fachliche Begleitung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten [2]. Für den Austausch mit anderen nennt die Stiftung ein fachlich moderiertes Online-Forum und rät generell, bei Foren auf eine fachliche Moderation zu achten [2].

Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen

Für viele Menschen sind Selbsthilfegruppen in der Wartezeit eine wichtige Stütze [1]. Dort tauschen sich Betroffene über den Alltag mit der Erkrankung aus, machen sich gegenseitig Mut und geben einander Halt. Die meisten Gruppen sind offen und anonym, neue Mitglieder können jederzeit dazukommen [3]. Gruppen in deiner Nähe findest du über die Suche der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) auf nakos.de oder über die nächste Selbsthilfekontaktstelle, die oft beim Gesundheitsamt angesiedelt ist [3]. Regionale Bündnisse gegen Depression informieren über Anlaufstellen vor Ort [3].

Sechs Erwachsene sitzen in einem hellen Gemeinderaum im Stuhlkreis, eine Frau in den Fünfzigern spricht
Bild: KI-generiert

Wenn du Fragen zur Erkrankung, zur Behandlung oder zu Anlaufstellen in deiner Nähe hast, erreichst du das Info-Telefon Depression der Stiftung kostenfrei unter 0800 3344533. Sprechzeiten sind Montag, Dienstag und Donnerstag von 13 bis 17 Uhr sowie Mittwoch und Freitag von 8:30 bis 12:30 Uhr [13]. Auf ihrer Website bietet die Stiftung außerdem eine Suche nach Beratungsstellen und nach Kliniken an [1]. Das Telefon informiert, ein Gespräch in einer Praxis ersetzt es nicht.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Präventionskurse als Angebote, die je nach Lage sinnvoll sein können [12]. Was Kurse zur Stressbewältigung leisten und wie die Krankenkassen sie bezuschussen, steht im Ratgeber Stress abbauen.

Was du im Alltag selbst tun kannst

Die Depressionshilfe nennt vier Bereiche, die den Umgang mit einer Depression erleichtern und eine Behandlung sinnvoll unterstützen können: eine feste Tagesstruktur, regelmäßige Bewegung, feste Schlafgewohnheiten und eine ausgewogene Ernährung [4].

Mann in den Dreißigern bereitet am Morgen in einer hellen Küche ein Frühstück mit Obst und Haferflocken zu
Bild: KI-generiert

Bei der Tagesstruktur hilft ein Wochenplan, in dem neben Pflichten auch angenehme Dinge stehen. Kleine Schritte sind in Ordnung, und wenn du etwas nicht schaffst, ist das Teil der Erkrankung und kein persönliches Versagen [4]. Regelmäßiger Sport kann das Wohlbefinden verbessern und depressive Beschwerden verringern, ersetzt eine Therapie aber in der Regel nicht. Die Stiftung rät, klein anzufangen, langsam zu steigern und ein bis zwei Stunden pro Woche einzuplanen. Wirksam sind Ausdauer- und Krafttraining und Sport in Gruppen, am besten mit fachlicher Anleitung [4].

Bei einer Depression wird die Stimmung durch frühes Zubettgehen und langes Liegenbleiben meist schlechter. Die Depressionshilfe empfiehlt, in einem Tagebuch oder einer App festzuhalten, wie lange du im Bett liegst und wie danach deine Stimmung ist. Zeigt sich ein Zusammenhang, kannst du gegensteuern [4]. Bevor du deine Schlafzeiten stark veränderst, sprich das in der Hausarztpraxis an.

AngebotWofür es gedacht istZugang und KostenBeleg
Psychotherapeutische AkutbehandlungEntlastung und Stabilisierung in akuten Krisennach der Sprechstunde, ohne Antrag; Vermittlung über 116 117 mit Code, höchstens zwei Wochen Wartezeit[6, 7, 10]
Hausarztpraxisregelmäßige kurze Gespräche, Abklärung körperlicher Ursachen, bei Bedarf Medikamente oder digitale ProgrammeKassenleistung[1]
Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA)Übungen bei leichten bis mittelschweren depressiven Beschwerdenauf Verordnung oder mit Genehmigung der Krankenkasse[2, 8]
iFightDepression-ToolOnline-Selbstmanagement in sechs Workshops bei leichten Beschwerden, ab 15 Jahrenkostenfrei, mit fachlicher Begleitung[2]
SelbsthilfegruppeAustausch und gegenseitige Unterstützungmeist offen und anonym, Suche über NAKOS[3]
Psychiatrische Institutsambulanzambulante Behandlung bei schweren Erkrankungen und in AkutsituationenAmbulanz einer psychiatrischen Klinik, Kassenleistung[1, 9]

Einen Krisenplan anlegen

Eine Depression kündigt sich oft über längere Zeit durch bestimmte Anzeichen an. Zur Vorbeugung eines Rückfalls nennt die Depressionshilfe als häufige Frühwarnzeichen unter anderem Müdigkeit und Erschöpfung, Rückzug von Freunden, Konzentrationsprobleme, Grübeln, Schlafstörungen, innere Unruhe und Reizbarkeit [5]. Wenn du deine eigenen Warnzeichen kennst, kannst du früher reagieren.

Dafür empfiehlt die Stiftung einen Krisenplan. Darin stehen deine persönlichen Frühwarnzeichen, was du dann tun willst und wie du schnell professionelle Hilfe bekommst. Eine Vorlage gibt es im Downloadbereich der Stiftung, und es hat sich bewährt, den Plan immer bei dir zu haben, zum Beispiel im Portemonnaie [5]. Schreib die Telefonnummern deiner Hausarztpraxis, der Telefonseelsorge und von Menschen, denen du vertraust, gleich mit hinein.

Wenn es schlimmer wird

Manchmal reicht Warten nicht. Bei schweren Depressionen und in Akutsituationen kannst du dich an die Ambulanz einer psychiatrischen Klinik wenden, die psychiatrische Institutsambulanz [1]. Diese Ambulanzen behandeln laut Gesetz Menschen, die wegen der Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung auf die Klinik angewiesen sind [9]. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Wenn du Gedanken hast, dir das Leben zu nehmen, ist das ein Notfall, auch wenn du schon auf einer Warteliste stehst. Die Depressionshilfe rät, sich dann schnell an eine psychiatrische Klinik zu wenden. Dort ist rund um die Uhr eine Ärztin oder ein Arzt zu sprechen [1]. Depression ist in der Regel gut behandelbar [1], und du musst solche Gedanken nicht allein aushalten. Woran du eine Krise erkennst, auch bei anderen, beschreibt der Ratgeber Suizidgedanken: Warnzeichen erkennen und Hilfe holen.

Alle geprüften Telefonnummern mit Zeiten findest du auf der Seite Hilfe finden.

  1. Organisation Wegweiser zur Hilfe. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  2. Organisation Digitale Hilfen. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  3. Organisation Selbsthilfe vor Ort. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  4. Organisation Tipps für den Alltag. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  5. Organisation Frühwarnzeichen und Krisenplan. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Richtlinie über die Durchführung der Psychotherapie (Psychotherapie-Richtlinie), § 13 Psychotherapeutische Akutbehandlung. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand zuletzt geändert 19.03.2026, in Kraft seit 17.06.2026. abgerufen am 28.10.2026
  7. Gesetz Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), § 75 Abs. 1a Inhalt und Umfang der Sicherstellung. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  8. Gesetz Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), § 33a Digitale Gesundheitsanwendungen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  9. Gesetz Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), § 118 Psychiatrische Institutsambulanzen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  10. Behörde Terminvermittlung Psychotherapie. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
  11. Behörde Ein Jahr nach der Reform der Psychotherapie-Richtlinie: Wartezeiten 2018 (Studie). Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Stand 11.04.2018. abgerufen am 28.10.2026
  12. Behörde Was tun bei psychischen Belastungen? Psychotherapeutische Versorgungsangebote (Infoblatt). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Stand März 2026. abgerufen am 28.10.2026
  13. Organisation Info-Telefon Depression. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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