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Panikattacke: Was tun im Moment und was danach hilft

Bei einer Panikattacke hilft es, möglichst dort zu bleiben, wo du bist, langsam und tief zu atmen und dir zu sagen, dass die Attacke vorbeigeht. Meist dauert sie 5 bis 20 Minuten und richtet keinen körperlichen Schaden an. Bei Schmerzen in der Brust wählst du trotzdem immer 112, weil auch ein Herzinfarkt dahinterstecken kann.

Eine Panikattacke kommt oft ohne Vorwarnung: Das Herz rast, die Luft wird knapp, und viele haben das Gefühl, gleich zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Was tun in diesem Moment? Die wichtigste Information zuerst: Eine Panikattacke ist sehr unangenehm, aber nicht gefährlich, und sie geht von selbst vorbei [2, 5]. Diese Seite beschreibt, was dir während der Attacke hilft, wann du trotzdem den Notruf wählen solltest und was du tun kannst, wenn die Anfälle wiederkommen. Ob deine Anfälle die Kriterien eines Paniksyndroms erfüllen, kannst du mit dem Panikattacken-Test einschätzen.

Woran du eine Panikattacke erkennst

Eine Panikattacke ist eine kurze Phase extremer Angst oder Furcht, die plötzlich einsetzt und von körperlichen oder seelischen Beschwerden begleitet wird [5]. Häufig sind Herzklopfen oder Herzrasen, Atemnot, Schwitzen, Zittern, Schwindel, Übelkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühle, Hitzewallungen oder Schüttelfrost, Schmerzen in der Brust und das Gefühl zu ersticken. Dazu kommen oft die Angst zu sterben, die Angst, verrückt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren, und Gefühle der Entfremdung von der Umgebung oder von sich selbst [5]. Fachleute sprechen von einer Panikattacke, wenn mindestens vier solcher Beschwerden gleichzeitig mit der plötzlichen Angst auftreten [5].

Die Beschwerden erreichen meist innerhalb von 10 Minuten ihren Höhepunkt [5]. Laut dem britischen National Health Service dauern die meisten Panikattacken 5 bis 20 Minuten, manche bis zu einer Stunde [2]. Manche Attacken haben einen erkennbaren Auslöser, andere kommen ohne ersichtlichen Grund [5]. Panikattacken sind häufig: Nach dem MSD Manual erleben mindestens 11 Prozent der Erwachsenen pro Jahr eine, und die meisten erholen sich ohne Behandlung [5].

Panikattacke oder Herzinfarkt?

Brustschmerzen, Atemnot, Schwitzen, Schwindel und Todesangst gehören zu den Beschwerden einer Panikattacke. Sie können aber auch Zeichen eines Herzinfarkts sein [5, 7]. Typisch für einen Herzinfarkt sind ein starkes Enge- oder Druckgefühl in der Brust und Schmerzen hinter dem Brustbein, die in Arme, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können. Die Schmerzen dauern länger als fünf Minuten und werden in Ruhe nicht besser [7]. Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes spüren die typische Brustenge seltener. Bei ihnen stehen häufiger Luftnot, Übelkeit oder Erbrechen im Vordergrund [7].

Du musst diese Unterscheidung nicht selbst treffen. Das Gesundheitsportal des Bundes rät, bei Schmerzen im Brustbereich immer den Notruf 112 zu wählen und nicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst [6]. Auch nachts solltest du nicht bis zum Morgen warten [6]. Das gilt besonders beim ersten Anfall und wenn sich die Beschwerden anders anfühlen als sonst. Nach dem MSD Manual sollten schwere oder anhaltende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden, und manche Menschen gehen mehrmals in die Notaufnahme, bis feststeht, dass es Panikattacken sind [5]. Wenn die Diagnose einmal gesichert ist, verzichten Ärztinnen und Ärzte bei späteren Anfällen auf umfangreiche Untersuchungen, solange keine neuen Beschwerden dazukommen [5].

Was im Moment hilft

Der National Health Service empfiehlt für den Moment, in dem eine Attacke beginnt, ein paar einfache Schritte. Bleib, wenn möglich, dort, wo du bist. Atme langsam und tief. Sag dir, dass die Attacke vorbeigeht und nicht lebensbedrohlich ist. Lenk deine Aufmerksamkeit auf ruhige, angenehme Bilder [2]. Flucht bringt zwar kurzfristig Erleichterung, kann die Angst aber auf Dauer verstärken, weil du dann nicht erlebst, dass sie auch so nachlässt [1].

Frau Anfang dreißig sitzt an das Sofa gelehnt auf dem Boden und atmet mit der Hand am Bauch ruhig
Bild: KI-generiert

Für das Atmen beschreibt der NHS eine einfache Übung, die bei Stress, Angst und Panik nur wenige Minuten dauert. Lass den Atem so tief in den Bauch fließen, wie es angenehm ist, ohne zu pressen. Atme durch die Nase ein und durch den Mund aus, gleichmäßig und sanft. Vielen hilft es, beim Einatmen ruhig von 1 bis 5 zu zählen und beim Ausatmen wieder. Am Anfang kommst du vielleicht nicht bis 5, das ist normal. Wiederhole das mindestens fünf Minuten lang [4]. Die Übung wirkt am besten, wenn du sie regelmäßig übst, auch an ruhigen Tagen [4]. Weitere Anleitungen stehen im Ratgeber Atemübungen gegen Stress.

Auch die eigenen Gedanken spielen mit. Das Gesundheitsportal des Bundes beschreibt den sogenannten Teufelskreis der Angst: Du bemerkst eine Körperempfindung, etwa Herzklopfen, deutest sie als Gefahr, bekommst Angst, und die Angst verstärkt über Stresshormone wiederum die Körperreaktion [1]. Diesen Kreis kannst du mit Sätzen unterbrechen, die das Portal als hilfreich nennt, zum Beispiel: "Meine körperlichen Empfindungen sind kein sicherer Beweis für eine drohende Katastrophe", "Möglicherweise ist Angst der Grund für meine körperliche Reaktion" und "Die Angst an sich ist ungefährlich und geht vorüber" [1].

Was du tun kannstWarum es hilftBeleg
Dort bleiben, wo du bistWer bleibt, erlebt, dass die Angst von selbst nachlässt. Flucht erleichtert nur kurz und kann die Angst auf Dauer verstärken.[1, 2]
Langsam und tief atmen, beim Ein- und Ausatmen bis 5 zählenDer NHS empfiehlt die Übung bei Stress, Angst und Panik; mindestens fünf Minuten.[2, 4]
Dir sagen, dass die Attacke vorbeigeht und nicht lebensbedrohlich istPanikattacken richten keinen körperlichen Schaden an und dauern meist 5 bis 20 Minuten.[2, 3]
Hilfreiche Sätze bereithaltenSie unterbrechen den Teufelskreis aus Körperempfindung, Gefahrengedanke und mehr Angst.[1]
Bei Schmerzen in der Brust 112 wählenEin Herzinfarkt kann ähnliche Beschwerden machen und braucht sofort Hilfe.[6, 7]

Nach der Attacke: Anspannung senken und vorbeugen

Nach einem Anfall fürchten viele den nächsten. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt das die Angst vor der Angst [1]. Hohe Anspannung und starke Belastungen machen anfälliger für Panikattacken, weil dann schon kleine Alltagsbelastungen die persönliche Angstschwelle überschreiten können [1]. Deshalb lohnt es sich, die Anspannung im Alltag zu senken. Das Portal nennt Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, Sport und Bewegung sowie Yoga, Meditation und Achtsamkeitsübungen [1]. Eine Anleitung zur Muskelentspannung findest du im Ratgeber Progressive Muskelentspannung.

Mann Ende zwanzig liegt in einem hellen Kursraum auf einer Matte und macht eine Entspannungsübung
Bild: KI-generiert

Auch der Lebensstil spielt eine Rolle. Das Gesundheitsportal empfiehlt ausgewogene Ernährung, genug Schlaf, wenig Alkohol und Koffein und den Verzicht auf Tabak und andere Drogen [1]. Der NHS rät, zuckerhaltige Speisen und Getränke, Koffein und Alkohol zu meiden und mit dem Rauchen aufzuhören, weil all das Attacken verschlimmern kann [2]. Außerdem rät er davon ab, Angst mit Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel oder Drogen zu dämpfen, weil all das der psychischen Gesundheit schaden kann [3].

Wichtig ist der Umgang mit Situationen, in denen schon einmal eine Attacke kam. Wer Kaufhäuser, Bahnfahrten oder volle Räume meidet, schränkt sein Leben oft immer weiter ein, und die Angst kann sich auf neue Situationen ausweiten [1]. Hilfreicher ist es, sich gefürchteten, aber ungefährlichen Situationen schrittweise zu stellen. Dabei erlebst du, dass die Angst von selbst nachlässt, in der Regel nach 5 bis 30 Minuten [1]. Weil das für die meisten Menschen mit starken Ängsten anfangs sehr beängstigend ist, rät das Portal dazu, sich für diese Schritte psychotherapeutische Unterstützung zu holen [1]. Der NHS empfiehlt, die Zeit in solchen Situationen langsam zu steigern [3].

Wenn Panikattacken wiederkommen

Einzelne Attacken sind noch keine Erkrankung. Von einer Panikstörung sprechen Fachleute, wenn die Anfälle wiederholt und unerwartet kommen und jemand über mindestens einen Monat ständig Angst vor weiteren Anfällen hat oder sein Verhalten ändert, um sie zu vermeiden [5]. Jedes Jahr betrifft das 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung, Frauen doppelt so oft wie Männer [5]. Wie sich normale Angst von einer Angststörung unterscheidet, beschreibt der Ratgeber Angststörung oder normale Angst?.

Das Gesundheitsportal des Bundes rät zu professioneller Hilfe, wenn mindestens eine dieser Aussagen auf dich zutrifft: Du denkst mehr als den halben Tag über deine Ängste nach. Sie schränken deine Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich ein. Du wirst ihretwegen immer depressiver. Du hattest ihretwegen schon Gedanken an Selbsttötung. Du bekämpfst sie oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten. Deine Partnerschaft oder deine Arbeit ist ernsthaft in Gefahr [1]. Ein guter erster Schritt ist die Hausarztpraxis, wo du besprechen kannst, welche Behandlung für dich infrage kommt [1]. Wenn du gerade Gedanken an Selbsttötung hast, warte nicht auf einen Termin. Die Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, alle weiteren Nummern stehen auf Hilfe finden.

Behandelt wird eine Panikstörung mit Psychotherapie, mit Medikamenten oder mit beidem [1]. Unter den Psychotherapien ist die kognitive Verhaltenstherapie bei Angststörungen am besten untersucht [8]. Darin lernen Betroffene, ihre angstvollen Gedanken zu erkennen und zu prüfen, Situationen nicht mehr zu meiden und stattdessen mit langsamer Atmung zu reagieren [5]. Bei Panikstörungen gehören dazu auch Übungen, in denen Betroffene unter Anleitung bewusst Körperempfindungen wie schnelles Atmen herbeiführen, um zu erleben, dass sie ungefährlich sind [8]. Bei den Medikamenten gelten moderne Antidepressiva als erste Wahl [8]. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wirken zwar gegen Panik, sollen nach der deutschen Leitlinie wegen der Gefahr einer Abhängigkeit aber nur in Ausnahmefällen und für begrenzte Zeit eingesetzt werden [8]. Wie du einen Therapieplatz findest, erklärt der Ratgeber Therapieplatz finden. Praxen in deiner Nähe vermittelt auch die Kassenärztliche Vereinigung unter 116 117 [1].

  1. Behörde Mit Angst umgehen: hilfreiche Maßnahmen. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die DGPPN). Stand 03.09.2025. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Panic disorder. National Health Service (NHS), England. Stand 22.08.2023. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Get help with anxiety, fear or panic. National Health Service (NHS), England. Stand 13.07.2026. abgerufen am 28.10.2026
  4. Behörde Breathing exercises for stress. National Health Service (NHS), England. Stand 12.06.2026. abgerufen am 28.10.2026
  5. Organisation Panikattacken und Panikstörungen (Ausgabe für Patienten). MSD Manual, Barnhill JW. Stand Januar 2026. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Herzinfarkt. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 28.08.2020. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Anzeichen eines Herzinfarkts. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.10.2021. abgerufen am 28.10.2026
  8. Studie Ströhle A, Gensichen J, Domschke K: The Diagnosis and Treatment of Anxiety Disorders. Dtsch Arztebl Int 2018; 115(37): 611 bis 620. PubMed Central. Stand 14.09.2018. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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