Ratgeber

Cannabis-Risiken für die Psyche und das Gedächtnis

Cannabis erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen, am deutlichsten für Psychosen: bei gelegentlichem Konsum um das 1,4- bis 2-Fache, bei intensivem um das 2- bis 3,4-Fache. Regelmäßiger Konsum kann Gedächtnis und Aufmerksamkeit verschlechtern, und etwa jeder zehnte Konsumierende wird abhängig. Besonders gefährdet sind junge Menschen, die früh und häufig kiffen.

Die Cannabis-Risiken für die Psyche sind besser untersucht als noch vor einigen Jahren. Die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Studie "Cannabis: Potential und Risiken" (CaPRis) kommt zu dem Schluss, dass Cannabis keine harmlose Droge ist: Der Konsum erhöht das Risiko für körperliche und vor allem für psychische Störungen, kann die Hirnleistung zumindest vorübergehend beeinträchtigen und führt in jedem zehnten Fall zu einer Abhängigkeit [1]. Diese Seite fasst zusammen, was über Psychosen, Depressionen, Angst, Gedächtnis und Abhängigkeit bekannt ist, wer besonders gefährdet ist und was seit der Teillegalisierung gilt. Wie riskant dein eigener Konsum ist, kannst du mit dem Cannabis-Test einschätzen.

Was THC im Gehirn bewirkt

Marihuana besteht aus getrockneten Blüten und Blättern der Hanfpflanze, Haschisch aus ihrem Harz. Die stärkste Wirkung hat der Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Er bindet an Cannabinoid-Rezeptoren, die im ganzen Körper vorkommen, am häufigsten aber im Gehirn [1]. Wie jemand auf Cannabis reagiert, hängt von Stimmung, Konsumart, Erfahrung, Situation sowie Menge und Stärke des THC ab [1].

Dozentin in den Fünfzigern erklärt Studierenden in einem hellen Seminarraum ein großes Modell des Gehirns
Bild: KI-generiert

Kurz nach dem Konsum kann Cannabis entspannen und die Stimmung heben. Es kann aber auch Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen beeinträchtigen, Puls und Blutdruck steigen [1]. Angst, Panikgefühle oder Filmrisse sind schon beim ersten Mal möglich [9]. Konzentration sowie Raum- und Zeitempfinden können bis zu 24 Stunden gestört sein [6]. Eine tödliche Überdosis ist bei pflanzlichem Cannabis nach CaPRis nicht bekannt. Anders ist es bei synthetischen Cannabinoiden: Ihre Wirkung ist stärker und schwer vorherzusagen, und bis zur Veröffentlichung der Studie waren international 32 Todesfälle im Zusammenhang mit ihnen registriert [1].

Psychosen: das deutlichste Risiko

Bei einer Psychose verlieren Betroffene zeitweise den Bezug zur Wirklichkeit. Es können Halluzinationen und Wahnvorstellungen auftreten, und Menschen, die kiffen, erkranken häufiger daran als Menschen, die nicht kiffen [9]. Nach CaPRis ist das Risiko bei gelegentlichem Konsum um das 1,4- bis 2-Fache erhöht, bei intensivem Konsum je nach Studie um das 2- bis 3,4-Fache. Wer Cannabis konsumiert, erkrankt im Schnitt rund 2,7 Jahre früher und hat einen ungünstigeren Verlauf. Wenn die Betroffenen aufhören, unterscheidet sich ihre Rückfallquote nicht mehr von Menschen, die nie konsumiert haben [1].

Wie stark das Cannabis ist, spielt eine Rolle. Eine Studie an elf Orten in Europa verglich Menschen, die erstmals an einer Psychose erkrankt waren, mit Vergleichspersonen. Täglicher Konsum ging mit etwa dreifach erhöhten Chancen für eine psychotische Störung einher, täglicher Konsum von Sorten mit hohem THC-Gehalt mit fast fünffach erhöhten. Ohne hochpotentes Cannabis hätten sich nach der Berechnung der Autoren in London 30 Prozent und in Amsterdam 50 Prozent der neuen Erkrankungen vermeiden lassen [7]. Bei Menschen, die bereits an einer Schizophrenie erkrankt sind, kann Cannabis psychotische Symptome verschlimmern, auch wenn sie Medikamente gegen Psychosen nehmen [6].

Depression, Angst und bipolare Störung

Auch für andere psychische Erkrankungen ist Cannabis ein Risikofaktor. Meist wirken dabei mehrere Ursachen zusammen, Cannabis erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, besonders bei regelmäßigem Konsum über lange Zeit [1]. Das Risiko für Depressionen steigt nach CaPRis je nach Intensität um das 1,3- bis 1,6-Fache, auch bei Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren. Bei Angststörungen liegt die Erhöhung bei 1,3 bis 1,7. Wer vor dem 16. Lebensjahr beginnt, jahrelang wöchentlich kifft und abhängig wird, hat ein 3,2-fach erhöhtes Risiko für eine Angststörung [1]. Eine Metaanalyse mit 23.317 Teilnehmenden kam auf ein um das 1,37-Fache erhöhtes Risiko, als junger Erwachsener an einer Depression zu erkranken, wenn jemand im Jugendalter Cannabis konsumiert hatte. Das Risiko für den Einzelnen bewerten die Autorinnen und Autoren als moderat bis gering [8].

Manisch-depressive Symptome, wie sie bei einer bipolaren Störung auftreten, zeigen sich unter Cannabis dreimal so häufig zum ersten Mal wie bei Menschen, die nicht konsumieren [1]. Für Suizidgedanken fand CaPRis eine geringe Erhöhung, die sich aber nicht in allen Studien zeigte [1]. Wenn du solche Gedanken hast, bist du damit nicht allein, und es gibt Hilfe: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar. Viele Menschen kiffen gerade, um mit Stress, Schlafproblemen, Depressionen oder Angst klarzukommen. Im Epidemiologischen Suchtsurvey 2024 nannten 32 Prozent der Konsumierenden den Umgang mit Depressionen oder Angst als Grund [2]. Wenn das auf dich zutrifft, kann der Depressions-Test ein erster Schritt sein, um deine Stimmung einzuordnen.

Gedächtnis, Lernen und Konzentration

Regelmäßiger und häufiger Cannabiskonsum kann die Hirnleistung und vor allem das Gedächtnis verschlechtern. Je nach Konsum zeigen sich zum Teil erhebliche Einbußen beim Lernen und Erinnern, außerdem bei Aufmerksamkeit, Problemlösen und Denken. Auswirkungen auf die Intelligenz haben nicht alle Studien bestätigt [1]. Bei schwerem Konsum, vor allem mit Beginn in der Pubertät, deuten neuere Daten auf deutliche kognitive Einschränkungen und Veränderungen im Hippocampus hin, einer Hirnregion, die für das Gedächtnis wichtig ist [6].

Die Einbußen scheinen sich zurückzubilden, wenn jemand aufhört. Ob und nach welcher Zeit sie ganz verschwinden, ist noch offen [1]. Auch im Alltag zeigen sich Folgen. Wer häufig kifft, bricht öfter die Schule ab und hat seltener einen Hochschulabschluss, besonders bei hohem Konsum über Jahre und einem Beginn vor dem 15. Lebensjahr [1].

Abhängigkeit und Entzug

Cannabis kann psychisch und körperlich abhängig machen [1, 9]. Typisch sind ein starkes Verlangen, eine verminderte Kontrolle über den Konsum, Toleranz, die Vernachlässigung anderer Interessen und Entzugssymptome beim Absetzen [1]. Studien schätzen, dass etwa 9 Prozent aller Konsumierenden abhängig werden. Beginnt der Konsum im Jugendalter, sind es 17 Prozent, bei täglichem Gebrauch 25 bis 50 Prozent. Als besondere Risikofaktoren nennt CaPRis männliches Geschlecht, einen frühen Einstieg, häufigen Konsum und gleichzeitiges Tabakrauchen [1]. Im Suchtsurvey 2024 mischten 68,2 Prozent der Konsumierenden Cannabis mit Tabak [2]. Wie stark du an Nikotin gebunden bist, zeigt dir der Nikotintest.

Beim Aufhören treten oft Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, gedrückte Stimmung, Übelkeit und Appetitlosigkeit auf. Sie beginnen häufig etwa 12 Stunden nach dem letzten Konsum, sind nach 2 bis 3 Tagen am stärksten und halten bis zu 7 Tage an [6]. Der Entzug ist unangenehm, braucht aber nach dem MSD Manual in der Regel nur unterstützende Behandlung [6].

Jugendliche und junge Erwachsene

Bei Menschen unter 25 Jahren befindet sich das Gehirn nach dem Handout des Bundesgesundheitsministeriums in einer wichtigen Entwicklungsphase. Regelmäßiges Kiffen kann in dieser Zeit die geistige Leistungsfähigkeit verringern, weil THC die Reifeprozesse stört [9]. Deshalb bleibt Cannabis für Menschen unter 18 Jahren verboten [3]. Fallen Kinder oder Jugendliche mit Cannabis auf, informiert die Polizei die Eltern. Bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Gefährdung wird das Jugendamt eingeschaltet, das auf die Teilnahme an einem Frühinterventionsprogramm hinwirken soll [3].

Zwei junge Erwachsene Anfang zwanzig sitzen am Nachmittag von hinten gesehen auf einer Parktreppe und reden
Bild: KI-generiert

Für 18- bis 20-Jährige gelten besondere Regeln. Anbauvereinigungen dürfen ihnen höchstens 30 Gramm im Monat weitergeben, mit höchstens 10 Prozent THC [3]. Wer ein Kraftfahrzeug führt, darf vor dem 21. Geburtstag und in der Probezeit weder Alkohol noch THC zu sich nehmen [5]. Wenn dich andere zum Mitkiffen drängen, hilft dir der Gruppendruck-Test zu erkennen, wie stark dich das beeinflusst.

Folgen für den Körper und in der Schwangerschaft

Chronischer Konsum erhöht das Risiko für Atemwegserkrankungen. Ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs oder Tumoren im Kopf-Hals-Bereich fand CaPRis nicht, wohl aber einen Zusammenhang mit bestimmten Formen von Hodenkrebs [1]. Das Bundesgesundheitsministerium nennt Herzrhythmusstörungen und Gefäßschäden als mögliche Folgen [9]. Bei häufigem Konsum kann es zu wiederkehrenden Phasen mit Übelkeit und Erbrechen kommen, dem Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom [6]. Wer Cannabis und Alkohol zusammen nimmt, hat oft mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen, und die Gefahr, die Orientierung oder die Kontrolle zu verlieren, steigt [9].

In der Schwangerschaft steigt durch Cannabis die Gefahr für Entwicklungsstörungen des Kindes. Die Kinder kommen mit geringerem Geburtsgewicht zur Welt und brauchen öfter intensivmedizinische Behandlung [1]. Schwangere und Stillende sollten Cannabis meiden [6].

Die Risiken im Überblick

BereichWas die Forschung zeigtBeleg
PsychoseRisiko bei gelegentlichem Konsum 1,4- bis 2-fach, bei intensivem 2- bis 3,4-fach erhöht; Erkrankung im Schnitt 2,7 Jahre früher[1]
Psychose bei hoher THC-StärkeTäglicher Konsum hochpotenter Sorten: fast fünffach erhöhte Chancen für eine psychotische Störung[7]
DepressionRisiko je nach Intensität 1,3- bis 1,6-fach erhöht; nach Konsum im Jugendalter 1,37-fach[1, 8]
AngststörungRisiko 1,3- bis 1,7-fach erhöht; 3,2-fach bei Beginn vor 16, wöchentlichem Konsum und Abhängigkeit[1]
AbhängigkeitEtwa 9 Prozent aller Konsumierenden; 17 Prozent bei Beginn im Jugendalter, 25 bis 50 Prozent bei täglichem Konsum[1]
Gedächtnis und LernenTeils erhebliche Einbußen bei regelmäßigem Konsum, die sich nach dem Aufhören zurückzubilden scheinen[1]
StraßenverkehrKonzentration, Raum- und Zeitempfinden bis zu 24 Stunden gestört[6]

Was das Gesetz erlaubt

Seit dem 1. April 2024 gilt das Konsumcannabisgesetz. Die Angaben geben den Stand vom 28.10.2026 wieder. Erwachsene dürfen unterwegs bis zu 25 Gramm besitzen, am Wohnsitz bis zu 50 Gramm und drei lebende Pflanzen. Verboten bleibt der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Menschen unter 18 Jahren, in Fußgängerzonen zwischen 7 und 20 Uhr sowie in und in Sichtweite von Schulen, Spielplätzen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und öffentlich zugänglichen Sportstätten [3]. Am Steuer gilt ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum [4].

Wo du Unterstützung findest

Die Risikofaktoren aus CaPRis zeigen, wo du ansetzen kannst: ein späterer Einstieg, seltener Konsum und der Verzicht auf Tabak [1]. Wenn du weniger kiffen oder aufhören möchtest, bietet das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) das Online-Programm "Quit the Shit" an. Du führst vier Wochen lang ein Konsumtagebuch und wählst selbst, ob du reduzieren oder aufhören willst. Die Teilnahme ist kostenlos und anonym [10]. Telefonisch erreichst du die Sucht & Drogen Hotline täglich von 8 bis 24 Uhr unter 01806 313031, ein Anruf kostet 0,20 Euro. Weitere Anlaufstellen stehen auf der Seite Hilfe finden.

Mann Ende zwanzig begrüßt einen Berater in den Vierzigern mit Handschlag an der Tür eines hellen Büros
Bild: KI-generiert
  1. Behörde Ergebnisse der CaPRis-Studie. Cannabis: Potential und Risiken. Eine wissenschaftliche Analyse (Kurzfassung; Studie von Hoch E, Schneider M u. a.). Bundesministerium für Gesundheit. Stand 01/2018. abgerufen am 28.10.2026
  2. Studie Bisher keine Auswirkungen der Cannabislegalisierung auf Konsumhäufigkeit feststellbar (Bericht über die Auswertung des Epidemiologischen Suchtsurveys 2024 "Cannabiskonsum vor und nach der Teillegalisierung"). Deutsches Ärzteblatt. Stand 14.11.2025. abgerufen am 28.10.2026
  3. Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (Konsumcannabisgesetz, KCanG), §§ 2, 3, 5, 7, 19. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 27.03.2024, zuletzt geändert 22.10.2026. abgerufen am 28.10.2026
  4. Gesetz Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 24a 0,5-Promille-Grenze, THC-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  5. Gesetz Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 24c Alkohol- und Cannabisverbot für Fahranfänger und Fahranfängerinnen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  6. Studie Marihuana (Cannabis) (MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise). O'Malley GF, O'Malley R, MSD Manuals. Stand 04/2025. abgerufen am 28.10.2026
  7. Studie The contribution of cannabis use to variation in the incidence of psychotic disorder across Europe (EU-GEI): a multicentre case-control study. Lancet Psychiatry 6(5):427 bis 436. Di Forti M, Quattrone D, Freeman TP u. a.. Stand 2019. abgerufen am 28.10.2026
  8. Studie Association of Cannabis Use in Adolescence and Risk of Depression, Anxiety, and Suicidality in Young Adulthood: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Psychiatry 76(4):426 bis 434. Gobbi G, Atkin T, Zytynski T u. a.. Stand 2019. abgerufen am 28.10.2026
  9. Behörde Cannabis: Legal, aber echt risky. 6 Fakten zu Wirkung und Risiken von Cannabis. Bundesministerium für Gesundheit. Stand 05/2024. abgerufen am 28.10.2026
  10. Behörde Quit the Shit. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), drugcom.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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