Abhängigkeit: Was der Begriff bedeutet
Abhängigkeit ist in der Medizin eine Gruppe von Verhaltens-, Denk- und Körperveränderungen, die sich nach wiederholtem Konsum einer Substanz entwickeln. Typisch sind starkes Verlangen, Schwierigkeiten bei der Kontrolle, Konsum trotz Schäden, Toleranz und manchmal Entzugszeichen. Für die Diagnose müssen nach ICD-10 mindestens drei Merkmale zusammen auftreten.
Abhängigkeit, in der Medizin Abhängigkeitssyndrom genannt, ist eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach wiederholtem Gebrauch einer Substanz entwickeln [1]. Umgangssprachlich spricht man von Sucht. In der ICD-10-GM, nach der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland Diagnosen verschlüsseln, steht das Abhängigkeitssyndrom an der vierten Stelle ".2" der Kodes F10 bis F19, zum Beispiel F10.2 für Alkohol [1].
Die typischen Merkmale
Die ICD-10-GM beschreibt ein Bündel von Anzeichen. Typisch ist ein starker Wunsch, die Substanz zu konsumieren, oft als Craving bezeichnet. Dazu kommen Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und Weiterkonsum, obwohl er bereits schadet. Die Substanz bekommt Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen. Es entwickelt sich eine Toleranz, und manchmal tritt ein körperlicher Entzug auf, wenn der Konsum endet [1]. Eine Abhängigkeit kann sich auf einen einzelnen Stoff wie Tabak oder Alkohol beziehen, auf eine Gruppe ähnlicher Substanzen oder auf viele unterschiedliche Mittel [1].
Wann Fachleute von Abhängigkeit sprechen
Die Diagnose richtet sich nach festen Kriterien. Nach den ICD-10-Kriterien der Weltgesundheitsorganisation für das Alkoholabhängigkeitssyndrom müssen mindestens drei Merkmale gemeinsam aufgetreten sein, und zwar mindestens einen Monat lang oder innerhalb von zwölf Monaten wiederholt [2]. Zu den Merkmalen gehören das starke Verlangen, die verminderte Kontrolle über Beginn, Ende und Menge, ein Entzugssyndrom oder Konsum, um Entzugszeichen zu vermeiden, eine Toleranz, das Vernachlässigen anderer Interessen zugunsten des Konsums und der Weiterkonsum trotz deutlicher Schäden [2]. Eine einzelne feste Trinkmenge, ab der jemand abhängig ist, gibt es in dieser Definition nicht.
Von der Abhängigkeit unterscheidet die ICD-10-GM den schädlichen Gebrauch. Dabei führt der Konsum zu einer Schädigung der körperlichen oder psychischen Gesundheit, ohne dass die Merkmale einer Abhängigkeit erfüllt sind [1]. Noch früher setzt der Begriff riskanter Konsum an, bei dem noch kein Schaden eingetreten ist.
Körperliche und psychische Abhängigkeit
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) beschreibt am Beispiel Alkohol zwei Seiten. Körperlich zeigt sich die Abhängigkeit oft daran, dass man immer mehr trinken muss, um dieselbe Wirkung zu spüren, und dass beim Reduzieren oder Aufhören Zittern, Schweißausbrüche oder Magenkrämpfe auftreten. Psychisch steht das starke Verlangen im Vordergrund, verbunden mit einem zunehmenden Kontrollverlust [3]. Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich meist schleichend über viele Jahre und bleibt anfangs oft unbemerkt [3].
Wer eine Alkoholabhängigkeit überwinden möchte, sollte sich nach Rat des BIÖG professionelle Hilfe holen, weil beim Entzug ernsthafte körperliche Reaktionen auftreten können [3]. Einen ersten Eindruck von deinem eigenen Trinkverhalten gibt dir der Alkohol-Test. Er stellt keine Diagnose.
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Block F10 bis F19: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde AUDIT: The Alcohol Use Disorders Identification Test. Guidelines for Use in Primary Health Care, 2. Auflage (Box 8: ICD-10 Criteria for the Alcohol Dependence Syndrome). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 18.11.2001. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Alkoholismus. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Kenn dein Limit. Stand ohne Datum. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
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Riskanter Konsum
Riskanter Konsum erhöht die Gefahr von Schäden, bevor ein Schaden eingetreten ist.
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Toleranz bei Sucht
Toleranz heißt in der Suchtmedizin, dass du für dieselbe Wirkung mehr brauchst.
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Entzug
Entzug bedeutet Beschwerden, wenn eine gewohnte Substanz wegfällt.
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Tests Kaufsucht-Test
Kaufsucht-Test als eigener Check: 12 Fragen zu Kaufdrang, Kontrolle, Gefühlen und Geldfolgen in den letzten 12 Monaten.