Craving: Was das starke Verlangen in der Sucht bedeutet
Craving bezeichnet das starke, oft drängende Verlangen, ein Suchtmittel zu konsumieren, auf Deutsch auch Suchtdruck. Es ist ein Merkmal der Abhängigkeit und gilt in der Forschung als Vorhersagefaktor für Rückfälle.
Craving (englisch für Verlangen oder Gier) bezeichnet das starke, oft drängende Verlangen, ein Suchtmittel zu konsumieren. Im Deutschen sagt man auch Suchtdruck oder Suchtverlangen. Die in Deutschland gültige Diagnoseklassifikation ICD-10-GM nennt dieses Verlangen an erster Stelle, wenn sie das Abhängigkeitssyndrom beschreibt: Typischerweise besteht ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen [1].
Craving als Merkmal einer Abhängigkeit
Ein starkes Verlangen allein ist noch keine Abhängigkeit. Die ICD-10-GM beschreibt das Abhängigkeitssyndrom als eine Gruppe von Merkmalen, die sich nach wiederholtem Konsum entwickeln. Neben dem starken Wunsch gehören dazu Schwierigkeiten, den Konsum zu steuern, der Gebrauch trotz schädlicher Folgen, ein Vorrang des Konsums vor anderen Aktivitäten und Pflichten, eine wachsende Toleranz und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom [1]. Die Diagnose kann sich auf einen einzelnen Stoff beziehen, auf eine Gruppe von Stoffen oder auf viele verschiedene Substanzen [1]. Was diese Begriffe im Einzelnen bedeuten, erklären die Einträge Abhängigkeit und Entzug.
Im amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-5 ist Craving bei der Alkoholkonsumstörung ein Diagnosekriterium. Das National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA) in den USA beschreibt, dass es im DSM-IV noch nicht dazugehörte [2]. Die zugehörige Frage lautet sinngemäß, ob man so dringend etwas trinken wollte, dass man an nichts anderes mehr denken konnte [2].
Warum Craving für Rückfälle zählt
Der Psychologe Michael Sayette fasst in einer Übersichtsarbeit zusammen, dass Craving als zentrales Merkmal von Sucht gilt. Es wird als Vorhersagefaktor für Rückfälle angesehen und kann Menschen davon abhalten, überhaupt einen Versuch zum Aufhören zu beginnen [3]. Der Schwerpunkt der Übersichtsarbeit liegt auf Laborstudien zum Verlangen, vor allem zum Rauchen. Sayette hinterfragt darin mehrere begriffliche und methodische Annahmen dieser Studien [3]. Weitere Themen seiner Arbeit sind der Zusammenhang zwischen Craving, Gefühlen und Bewältigungsstrategien und die Frage, wie gut Menschen ihr eigenes künftiges Verlangen vorhersagen können [3].
Craving im Alltag einordnen
Ein kurzer Wunsch nach einer Zigarette oder einem Glas Wein ist für sich genommen noch kein Hinweis auf eine Sucht. Bedeutsam wird das Verlangen, wenn weitere Merkmale dazukommen, etwa wenn du den Konsum kaum noch steuern kannst oder trotz Problemen weitermachst [1]. Wenn du dein Trinkverhalten einschätzen möchtest, gibt der Alkohol-Test eine erste Orientierung. Für das Rauchen gibt es den Test zur Nikotinabhängigkeit. Beide Tests ersetzen kein Gespräch in einer Praxis oder einer Suchtberatungsstelle.
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Block F10 bis F19: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, vierte Stelle .2 Abhängigkeitssyndrom. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Alcohol Use Disorder: A Comparison Between DSM-IV and DSM-5. National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA), National Institutes of Health. Stand 04.2021. abgerufen am 28.10.2026
- Studie The Role of Craving in Substance Use Disorders: Theoretical and Methodological Issues. Annual Review of Clinical Psychology 12:407 bis 433. Sayette MA. Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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Verhaltenssucht
Eine Verhaltenssucht ist eine Sucht ohne Substanz, etwa nach Glücksspiel oder Computerspielen.
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ADHS
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.
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Zwangsstörung
Bei einer Zwangsstörung drängen sich Gedanken oder Handlungen immer wieder auf, obwohl man sie für sinnlos hält.