Orthorexie: Was der Begriff bedeutet
Orthorexie (Orthorexia nervosa) bezeichnet eine starke gedankliche Beschäftigung mit gesunder Ernährung, verbunden mit strengen, selbst aufgestellten Regeln und Angst vor "ungesunden" Lebensmitteln. Eine anerkannte Diagnose ist sie bisher nicht: Weder die ICD-11 noch das DSM-5 führen sie. Ob es sich um eine Essstörung oder einen sehr strengen Lebensstil handelt, ist ungeklärt.
Orthorexie, ausführlich Orthorexia nervosa, bezeichnet eine Fixierung auf gesundes Essen, bei der die Qualität der Nahrung übermäßig viel Aufmerksamkeit bekommt [2]. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern für "richtig" und "Appetit" zusammen [1]. Betroffene beschäftigen sich gedanklich sehr stark mit gesunder Ernährung und haben große Angst, durch Lebensmittel krank zu werden, die sie für ungesund halten [1].
Herkunft und Merkmale
Den Begriff prägte Steven Bratman im Jahr 1997 [2]. Typisch sind selbst aufgestellte, strenge Regeln und zwanghafte Rituale beim Essen und bei der Zubereitung [1]. Die Maßstäbe sind persönlich und oft stark ideologisch geprägt. Was auf dem Teller landet, kann den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entsprechen, es kann aber auch einseitig und gesundheitlich bedenklich sein [1]. Im Mittelpunkt steht die Qualität des Essens. Gewicht und Schlanksein stehen dabei nicht im Vordergrund [1].
Ist Orthorexie eine Krankheit?
Eine offizielle Diagnose ist Orthorexie bisher nicht. Sie steht weder in der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation noch im DSM-5 der amerikanischen Psychiatrie-Fachgesellschaft [2]. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit hält es für ungeklärt, ob es sich um eine Essstörung oder um einen besonders strengen Lebensstil handelt [1]. Manche Forschende beschreiben Orthorexie als Spektrum, das von einem gesunden Interesse an Ernährung bis zur krankhaften Fixierung reicht [2].
Um die Lage zu klären, haben sich 47 Fachleute für Essstörungen aus 14 Ländern in einem mehrstufigen Abstimmungsverfahren (Delphi-Verfahren) auf vorläufige Kriterien geeinigt [3]. Kern ihrer Beschreibung ist eine starke Beschäftigung mit dem eigenen Essverhalten nach selbst auferlegten, starren und unflexiblen Regeln. Dazu kommt, dass Planen, Besorgen, Zubereiten und Essen übermäßig viel Zeit einnehmen. Wer gegen die eigenen Regeln verstößt, erlebt Angst oder Schuldgefühle [3]. Die Beschwerden sollen mindestens sechs Monate bestehen (bei schwerer Beeinträchtigung genügen drei Monate) und die körperliche Gesundheit, die Lebensqualität oder das Leben in Ausbildung, Beruf und sozialem Umfeld beeinträchtigen [3]. Ausgeschlossen sind Einschränkungen, die eine ärztlich verordnete Diät, knappes Geld oder religiöse und kulturelle Regeln erklären [3]. Die Gruppe betont selbst, dass die Kriterien auf Expertenmeinung beruhen und noch geprüft werden müssen [3].
Wie häufig Orthorexie ist
Eine Übersichtsarbeit fand je nach Fragebogen und Gruppe Werte von unter 1 Prozent bis über 80 Prozent und kam zu dem Schluss, dass es keine verlässlichen Daten zur Häufigkeit gibt [2]. Der am häufigsten genutzte Fragebogen, der ORTO-15, ist schlecht geprüft und überschätzt die Häufigkeit vermutlich. Die Verfasser der Übersicht raten davon ab, ihn zur Einschätzung zu verwenden [2].
Ob deine Ernährungsregeln dich eher stützen oder einengen, kannst du mit dem Orthorexie-Test auf ernaehrung.check-dich-selbst.de einordnen. Wann gesundes Essen zum Zwang wird und was dann hilft, beschreibt der Ratgeber Orthorexie. Die Telefonberatung Essstörungen des BIÖG findest du auf Hilfe finden.
- Behörde Glossar: Orthorexia nervosa. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), essstoerungen.bioeg.de. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Prevalence of Orthorexia Nervosa and Its Diagnostic Tools: A Literature Review. International Journal of Environmental Research and Public Health 18(10): 5488. Niedzielski A, Kaźmierczak-Wojtaś N. Stand 2021. abgerufen am 28.10.2026
- Studie A consensus document on definition and diagnostic criteria for orthorexia nervosa. Eating and Weight Disorders 27, S. 3695 bis 3711. Donini LM, Barrada JR, Barthels F, Dunn TM u. a.. Stand 27.11.2022. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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