Differenzialdiagnose: Wie Fachleute ähnliche Krankheiten abgrenzen
Eine Differenzialdiagnose ist die Abgrenzung einer Erkrankung von anderen, die ähnliche Beschwerden verursachen. Bei Niedergeschlagenheit prüfen Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel, ob eine Trauerreaktion, eine bipolare Störung, eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Medikament dahinterstecken kann. Ein Selbsttest kann diese Abgrenzung nicht leisten.
Eine Differenzialdiagnose ist die Abgrenzung einer Erkrankung von anderen Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden machen. Das Wort beschreibt sowohl den Vorgang als auch die einzelnen Möglichkeiten, die eine Ärztin oder ein Psychotherapeut dabei in Betracht zieht. Zum vollständigen Vorgehen bei Verdacht auf eine Depression gehört laut Nationaler VersorgungsLeitlinie ausdrücklich, andere Störungen auszuschließen, Begleiterkrankungen zu erfassen und nach Suizidgedanken zu fragen [1].
Was bei Depression und Angst abgegrenzt wird
Gedrückte Stimmung, Schlafprobleme oder innere Unruhe kommen bei vielen Zuständen vor. Die Entwickler des PHQ-9 schreiben deshalb in ihrem Handbuch, dass vor der Diagnose einer Depression drei Dinge ausgeschlossen werden müssen: eine normale Trauerreaktion, eine frühere manische Phase, die auf eine bipolare Störung hinweisen würde, und eine körperliche Erkrankung, ein Medikament oder eine Droge als Ursache der Beschwerden. Für Panikstörung und andere Angststörungen gilt dasselbe für körperliche Ursachen, Medikamente und Drogen [2].
Die Leitlinie nennt Anhaltspunkte, wann eher eine Anpassungsstörung vorliegt, etwa nach einem Verlust oder einer schweren Diagnose. Dazu gehören ein enger zeitlicher Bezug zu einem klar benennbaren Auslöser, ein Nachlassen meist innerhalb von sechs Monaten und die Fähigkeit, sich über schöne Ereignisse grundsätzlich noch zu freuen. Trennscharf ist diese Grenze nach Einschätzung der Leitlinie nicht [1]. Als körperliche Ursachen einer depressiven Störung kommen unter anderem Kopfverletzungen, Hirnerkrankungen, Schlaganfall und Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse infrage. Warnzeichen für eine solche Ursache sind zum Beispiel neue neurologische Ausfälle, ausgeprägte kognitive Einschränkungen oder Fieber und starker Gewichtsverlust, die zeitgleich mit der Stimmung auftreten [1].
Bei Angst ist das Feld ähnlich breit. Die Beschwerden einer generalisierten Angststörung ähneln denen von Phobien, Panikstörungen, Zwangsstörungen und Depressionen. Herzrasen, Zittern und Schwitzen können auch von einer Schilddrüsenüberfunktion oder von Medikamenten und Drogen wie Amphetaminen kommen [3].
Warum ein Selbsttest das nicht ersetzen kann
Ein Fragebogen erfasst Beschwerden, aber keine Ursachen. Ob deine Müdigkeit von einer Depression, einer Schilddrüsenerkrankung oder einer schweren Lebensphase kommt, kann nur ein Gespräch mit Untersuchung klären. Die Leitlinie empfiehlt zugleich, aufwendige Untersuchungen gemeinsam mit den Betroffenen abzuwägen und Überdiagnostik zu vermeiden [1]. Wird eine andere Erkrankung gefunden, soll eine Depression trotzdem mitbehandelt werden [1].
Ein auffälliges Ergebnis ist deshalb ein guter Anlass für einen Termin in der Hausarztpraxis. Wie du das Gespräch vorbereitest, beschreibt der Ratgeber Mit psychischen Problemen zum Hausarzt. Was ein Test leisten kann, erklärt der Eintrag Screening. Welche Merkmale Fachleute für eine depressive Episode verlangen, steht im eigenen Eintrag. Hilfe zum nächsten Schritt nach einem Test gibt der Ratgeber Auffälliges Testergebnis: Wie geht es weiter?.
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. BÄK, KBV, AWMF (NVL-Programm). Stand 2022. abgerufen am 28.10.2026
- Instruction Manual: Instructions for Patient Health Questionnaire (PHQ) and GAD-7 Measures. Pfizer Inc., PHQ Screeners. Stand ohne Datum. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Generalisierte Angststörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.03.2024. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
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ICD-11
Die ICD-11 ist die aktuelle Fassung der WHO-Klassifikation der Krankheiten.
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Depression
Eine Depression ist eine häufige psychische Erkrankung mit gedrückter Stimmung über mindestens zwei Wochen.
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Depressive Episode
Eine depressive Episode ist eine Phase von mindestens zwei Wochen mit gedrückter Stimmung oder Freudlosigkeit.
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