Depressive Episode: Was Fachleute darunter verstehen

Eine depressive Episode ist eine Phase von mindestens zwei Wochen, in der gedrückte Stimmung oder Freudlosigkeit fast jeden Tag bestehen und weitere Beschwerden hinzukommen. Nach der ICD-11 müssen mindestens fünf Symptome vorliegen. Je nach Ausprägung gilt sie als leicht, mittelgradig oder schwer.

Eine depressive Episode ist eine abgegrenzte Phase von mindestens zwei Wochen, in der fast jeden Tag eine gedrückte Stimmung oder ein Verlust von Interesse und Freude besteht und weitere typische Beschwerden hinzukommen [1]. Der Begriff beschreibt also einen Zeitraum. Ob es bei einer Episode bleibt oder ob weitere folgen, entscheidet darüber, welche Form der Depression Fachleute feststellen.

Kriterien nach der ICD-11

Die ICD-11 ordnet die Symptome in drei Gruppen. Zur affektiven Gruppe gehören gedrückte Stimmung sowie Interessenverlust und Freudlosigkeit. Die kognitive Gruppe umfasst verminderte Konzentration, ein vermindertes Selbstwertgefühl mit Gefühlen von Schuld und Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und wiederkehrende Gedanken an den Tod. Zur neurovegetativen Gruppe zählen Schlafstörungen, deutlich verminderter oder gesteigerter Appetit, innere Unruhe oder Verlangsamung sowie Antriebsmangel und schnelle Ermüdbarkeit. Für die Diagnose müssen mindestens fünf Symptome zwei Wochen lang fast jeden Tag bestehen, mindestens eines davon aus der affektiven Gruppe [1].

Gegenüber der ICD-10 hat sich einiges verschoben. Dort reichten vier Symptome [1, 2]. Hoffnungslosigkeit ist in der ICD-11 neu als eigenes Symptom hinzugekommen, und der Antriebsmangel zählt nicht mehr zu den Hauptsymptomen [1].

Schweregrad und Verlauf

Ob eine Episode leicht, mittelgradig oder schwer ist, bestimmt die ICD-11 nach der Zahl der Symptome, nach ihrer Stärke und danach, wie sehr Alltag, Familie und Beruf eingeschränkt sind [1, 2]. Bei einer leichten Episode ist die Funktionsfähigkeit in einem oder mehreren Bereichen etwas eingeschränkt, bei einer schweren in den meisten Bereichen ernsthaft [1]. Wahnideen oder Halluzinationen können in der ICD-11 schon ab dem mittleren Schweregrad zusätzlich verschlüsselt werden [1]. Neu sind außerdem Zusatzangaben, etwa für melancholische Merkmale, für Panikattacken während der Episode oder für einen jahreszeitlichen Beginn [2].

Die erste und einzige Episode heißt einzelne depressive Episode, Code 6A70 [1, 3]. Gab es vorher schon mindestens eine weitere, liegt eine rezidivierende depressive Störung vor (6A71). Hält eine Episode ununterbrochen mehr als zwei Jahre an, sprechen Fachleute von einer persistierenden Depression. Klingen die Beschwerden ab, unterscheidet die ICD-11 zwischen teilweiser und vollständiger Rückbildung [1]. Treten depressive Episoden im Wechsel mit manischen Phasen auf, gehören sie zu den bipolaren Störungen [1, 3]. Eine depressive Reaktion auf ein klar benennbares belastendes Ereignis, die meist innerhalb von sechs Monaten nachlässt, spricht nach den Anhaltspunkten der Leitlinie eher für eine Anpassungsstörung, auch wenn die Grenze zur Depression nicht trennscharf ist [1].

Auch der Depressions-Test mit dem PHQ-9 fragt nach den letzten zwei Wochen. Ein Testergebnis ersetzt aber nicht das Gespräch, in dem eine Fachperson die Kriterien prüft.

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. BÄK, KBV, AWMF (NVL-Programm). Stand 2022. abgerufen am 28.10.2026
  2. Studie Härter M., Schneider F.: Affective disorders: developments of ICD-11 in comparison with ICD-10. Der Nervenarzt 2025, Sonderheft 1. Springer Medizin. Stand 11.09.2025. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Depressive disorder (depression), Fact sheet. World Health Organization (WHO). Stand 11.09.2026. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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