Selbstwert: Was der Begriff bedeutet
Der Selbstwert ist die Meinung, die ein Mensch von sich selbst hat. Ist er gesund, fühlt man sich mit sich und dem Leben eher wohl und kommt mit Rückschlägen besser zurecht. Ein niedriger Selbstwert sagt nach Langzeitstudien spätere depressive Beschwerden voraus.
Der Selbstwert, oft auch Selbstwertgefühl genannt, ist die Meinung, die ein Mensch von sich selbst hat [1]. Wer einen gesunden Selbstwert hat, denkt eher positiv über sich und sein Leben und kommt mit Höhen und Tiefen besser zurecht. Bei einem niedrigen Selbstwert sieht man sich selbst und das eigene Leben kritischer und traut sich weniger zu [1].
Wie ein niedriger Selbstwert entsteht
Nach dem britischen Gesundheitsdienst NHS beginnt ein niedriger Selbstwert oft in der Kindheit. Lehrkräfte, Freunde, Geschwister, Eltern und Medien senden positive und negative Botschaften, und bei manchen Menschen bleibt vor allem die Botschaft hängen, nicht gut genug zu sein [1]. Auch Stress und schwere Ereignisse wie eine ernste Krankheit oder ein Trauerfall können am Selbstwert nagen. Die Persönlichkeit spielt ebenfalls mit: Manche Menschen neigen stärker zu negativen Gedanken, andere setzen sich unerreichbar hohe Ziele [1].
Was ein niedriger Selbstwert bewirkt
Wer wenig von sich hält, zieht sich oft aus sozialen Situationen zurück, probiert weniger Neues aus und meidet Herausforderungen. Kurzfristig fühlt sich das sicher an. Auf Dauer bestärkt das Ausweichen die Zweifel und Ängste, denn man lernt dabei die ungünstige Regel, dass man nur zurechtkommt, wenn man Dingen aus dem Weg geht [1]. Ein niedriger Selbstwert kann die psychische Gesundheit belasten und zu Problemen wie Depression und Angst beitragen. Manche Menschen greifen dann zu ungünstigen Gewohnheiten wie Rauchen oder zu viel Alkohol [1]. Wenn vor allem die Angst vor dem Urteil anderer im Vordergrund steht, lohnt ein Blick auf den Eintrag Soziale Phobie.
Was die Forschung zeigt
Ob ein niedriger Selbstwert zu einer Depression beiträgt oder umgekehrt die Depression den Selbstwert schwächt, hat eine Metaanalyse aus Basel untersucht. Sie wertete 77 Langzeitstudien zu Depression und 18 zu Angst aus. Bei der Depression war der Einfluss des Selbstwerts auf spätere Beschwerden etwa doppelt so stark wie der Einfluss in die Gegenrichtung. Bei Angst wirkten beide Richtungen ungefähr gleich stark. Ob der Selbstwert eine Depression tatsächlich auslöst, ist nach Angabe der Autoren erst mit weiterer Forschung zu klären [2].
Eine Übersichtsarbeit von 2022 fasste viele Studien und Metaanalysen zu den Folgen des Selbstwerts zusammen. Ein höherer Selbstwert ging dort mit Vorteilen in Beziehungen, Schule, Beruf, psychischer und körperlicher Gesundheit und mit weniger antisozialem Verhalten einher. Die Effekte lagen im Mittel bei 0,10 und damit in einer Größenordnung wie die anderer Merkmale wie Selbstwirksamkeit oder sicherer Bindung [3]. Die Autoren betonen, dass ein gesunder Selbstwert etwas anderes ist als Narzissmus [3].
Der NHS empfiehlt, negative Überzeugungen über sich selbst aufzuschreiben, ihnen Belege entgegenzusetzen und eine Liste mit mindestens fünf positiven Eigenschaften zu führen [1]. Wie es um deinen Selbstwert steht, kannst du mit dem Selbstwert-Test einschätzen. Weitere Wege beschreibt der Ratgeber Selbstwert stärken. Wie der Selbstwert mit der Fähigkeit zusammenhängt, Krisen zu überstehen, steht unter Resilienz.
- Behörde Raising low self-esteem. National Health Service (NHS), England. Stand 11.04.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Sowislo JF, Orth U: Does low self-esteem predict depression and anxiety? A meta-analysis of longitudinal studies. Psychological Bulletin 139(1), 213 bis 240. American Psychological Association. Stand 2013. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Orth U, Robins RW: Is high self-esteem beneficial? Revisiting a classic question. American Psychologist 77(1), 5 bis 17. American Psychological Association. Stand 2022. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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