Sensitivität: Wie gut ein Test Erkrankte erkennt
Die Sensitivität ist der Anteil der Erkrankten, bei denen ein Test anschlägt. Eine Sensitivität von 88 Prozent heißt: Von 100 Menschen mit der Krankheit erkennt der Test 88, 12 übersieht er.
Die Sensitivität ist der Anteil der Erkrankten, bei denen ein Test positiv ausfällt. Sie gibt also an, wie wahrscheinlich ein diagnostischer Test Kranke auch als krank erkennt [1]. Man spricht auch von der Empfindlichkeit eines Tests. Gemeinsam mit der Spezifität beschreibt sie, wie genau ein Test oder Fragebogen trifft.
So liest du die Zahl
Die Sensitivität wird meist in Prozent angegeben. Um sie zu bestimmen, braucht man Menschen, bei denen unabhängig vom Test feststeht, ob sie erkrankt sind. In der Validierungsstudie des Depressionsfragebogens PHQ-9 waren das 580 Patientinnen und Patienten, die zusätzlich von Fachleuten für psychische Gesundheit befragt wurden [2]. Dabei ergab sich bei einem Grenzwert von 10 Punkten eine Sensitivität von 88 Prozent für eine Major Depression [2]. Von 100 Menschen, die laut ausführlichem Interview durch Fachleute eine Major Depression hatten, erreichten also 88 im Fragebogen 10 Punkte oder mehr. Die übrigen 12 lagen darunter, obwohl sie erkrankt waren. Solche Ergebnisse heißen falsch-negativ: Die Person ist krank, das Testergebnis aber unauffällig [1].
Eine hohe Sensitivität ist vor allem dann gefragt, wenn eine Krankheit mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden soll [1]. Ist ein Test sehr empfindlich, bleiben bei einem unauffälligen Ergebnis nur wenige Erkrankte unentdeckt.
Sensitivität und Spezifität hängen zusammen
Ein Test kann fast alle Erkrankten finden und trotzdem viele Fehlalarme liefern, wenn er auch bei Gesunden oft anschlägt. Ein Beispiel nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression: Der Zwei-Fragen-Test, den Ärztinnen und Ärzte im Gespräch stellen können, erkennt depressive Störungen mit einer Sensitivität von 96 Prozent. Seine Spezifität liegt aber nur bei 57 Prozent [3]. Er übersieht also wenige Erkrankte, schlägt aber bei vielen Gesunden ebenfalls an. Für eine erste, schnelle Einschätzung hält die Leitlinie ihn trotzdem für geeignet, weil er einfach, kostenfrei und auf Deutsch verfügbar ist [3]. Ein auffälliges Ergebnis muss danach genauer abgeklärt werden.
Wo die Sensitivität eines Fragebogens liegt, hängt auch vom Cut-off-Wert ab. Senkt man die Grenze, gelten mehr Menschen als auffällig. Dadurch werden mehr Erkrankte erkannt, zugleich steigt aber die Zahl der Gesunden, die fälschlich auffallen.
Was das für deinen Test bedeutet
Auch ein Fragebogen mit hoher Sensitivität übersieht einen Teil der Erkrankten. Wenn du im Depressions-Test unter dem Grenzwert liegst und dich trotzdem seit Wochen niedergeschlagen fühlst, ist das ein guter Grund, mit deiner Hausarztpraxis zu sprechen. Die Sensitivität sagt dir nur, wie gut ein Test bei Erkrankten anschlägt. Wie wahrscheinlich du bei einem auffälligen Ergebnis wirklich erkrankt bist, hängt zusätzlich davon ab, wie häufig die Krankheit in der getesteten Gruppe ist [1].
- Fachgesellschaft Glossar zur Evidenzbasierten Medizin (Stichworte Sensitivität, Falsch positiv und falsch negativ, Positiver prädiktiver Wert). Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. (EbM-Netzwerk). Stand Oktober 2018. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Kroenke K, Spitzer RL, Williams JB: The PHQ-9. Validity of a brief depression severity measure. J Gen Intern Med 2001; 16: 606 bis 613. Europe PMC. Stand 2001. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. BÄK, KBV, AWMF (NVL-Programm). Stand 2023. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
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Spezifität
Die Spezifität gibt an, wie viele Gesunde ein Test richtig als gesund erkennt.
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Validierung eines Fragebogens
Bei der Validierung wird geprüft, ob ein Fragebogen wirklich misst, was er messen soll.
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Reliabilität
Reliabilität heißt Zuverlässigkeit: Ein Test liefert unter gleichen Bedingungen dasselbe Ergebnis.
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